Bye Bye, Israel

Draußen wurde es bereits wieder hell – der Himmel färbte sich von tiefschwarz zu lila – als ich gestern schließlich am Gate saß und darauf wartete, ins Flugzeug steigen und endlich schlafen zu können. Noch vor weniger als ein paar Stunden saß ich inmitten der Marktstraßen, die sich nachts mit ihren vielen Bars und Restaurants als toller Ausgeh-Ort entpuppen, und genoss meinen letzten Abend mit ein paar neuen Bekanntschaften und israelischem Bier. Um 1 Uhr nachts kam ich zurück ins Hostel, habe im Dunkeln mein ganzes Zeug gepackt (meine Zimmernachbarn werden sich gefreut haben) und ausgecheckt. Um 1:45 Uhr wurde ich von einem Sammeltaxi abgeholt und um etwa 3 war ich dann am Flughafen – all die Geschehnisse dieses Abends wirkten wie ein einziger Traum, mit dem Unterschied, dass ich nicht geschlafen hatte. Angefangen mit der Fahrt im Taxi, die schon so merkwürdig war. Am Grenzübergang kam plötzlich ein bewaffneter Soldat in unseren Bus, hat auf ein paar von uns gezeigt und von ihnen den Reisepass verlangt. Eine Frau musste mitsamt ihrem Gepäck aussteigen und wurde etwa zehn Minuten befragt, ehe wir weiterfahren konnten. In diesem Moment wurde mir wieder bewusst, wie diskriminierend man hier behandelt werden kann, wenn man nur einer anderen Religion angehört oder schlicht durch eine andere Herkunft auffällt (den gleichen Gedanken hatte ich auch schon, als Aditya während einer Busfahrt einmal als einziger von uns seinen Pass zeigen musste). 

Am Flughafen wurde ich selber einer etwa halbstündigen Befragung durch israelische Sicherheitsbeamte unterzogen, bei der die Frage nach sämtlichen Unterkünften, in denen ich während diesem Monat gelebt hatte, noch zu den harmloseren gehörte. Es war wirklich krass, und ich hatte in bestimmten Momenten ein richtig mulmiges Gefühl im Bauch – dabei habe ich ja nichtmal etwas verbrochen. Aber auch die Tatsache, dass ich nur Stunden vorher noch mit Freunden gelacht und mein letztes Shakshuka Malawach gegessen hatte, dass meine ganze Reise nun von einer auf die andere Sekunde vorbei war, hat mich traurig und gleichzeitig erschöpft gemacht. Denn solange man sich gedanklich auch dagegen wehrt – spätestens, wenn man ins Flugzeug steigt, wird die Heimreise Realität. 

Vor ein paar Tagen habe ich mit Aditya, Alba und Andrew noch Palästina besucht. Mit dem Bus sind wir vom Damascus Gate aus nach Bethlehem gefahren und als wir ausgestiegen sind, wurden wir sofort von Taxifahrern umschwärmt, die uns alle jeweils den besten Preis für eine Fahrt in ihrem Taxi anbieten wollten. Eigentlich wollten wir gar nicht Taxi fahren, aber irgendwann war der Preis dann so gut, dass wir zugestimmt haben. Für je 20 Schekel hat uns der nette Fahrer zu allen Sehenswürdigkeiten gefahren, die wir sehen wollten, hat uns einiges erzählt und mit größter Geduld überall auf uns gewartet. Klar, waren die Kirchen schön und ein Muss für uns, was mich aber wirklich zutiefst berührt hat, war die Mauer und die Graffitis auf ihr, durch die die Menschen ihre Gefühle ausdrücken und aussprechen können – wenn schon nirgendwo sonst.  

Mauer-Abschnitt vor dem Walled Off Hotel

Ich stand in meinem Leben noch nie vor einer Mauer, zumindest keiner, die Menschen voneinander trennt und Hass als Grundbestandteil in sich trägt. The world is too small for walls kann man an ihrer Wand lesen, und: über Mauern kann man fliegen, wenn man seinem Feind vergibt. Menschen aus aller Welt haben sich hier verewigt, am bekanntesten sind aber die Graffitis von Banksy. Gleich neben dem oben gezeigten Mauern-Abschnitt befindet sich auch sein weltberühmtes Walled Off Hotel, das mit seiner schrecklichen Aussicht den (inszenierten?) Ruf The worst view in the world trägt. 

Das Museum, das sich in der unteren Etage eben dieses Hotels befindet, gehört zu den besten Museen, die ich in meinem Leben bisher gesehen habe. Denn es gibt Menschen eine Stimme, die keine haben (dürfen). Es erklärt den Konflikt zwischen Palästina und Israel und bewegt mit zahlreichen Geschichten und Videos. Wer Banksy wirklich ist, weiß niemand. Zum Glück für ihn, wahrscheinlich. 

Ich bin dankbar für alles, was ich während diesem Monat sehen durfte, für all die Menschen, die meinen Weg gekreuzt haben und ihn ein Stück mit mir gegangen sind – es hätte nicht schöner sein können. Was Israel angeht, bin ich mir zum ersten Mal sicher, dass es nicht der letzte Besuch war. Es war keine bestimmte Sehenswürdigkeit, kein bestimmter Ort – es war alles dazwischen. Alles, was nicht greifbar ist, das dieses Land so besonders macht. Und Jerusalem, ja, Jerusalem.  

Ich komme wieder, auf ein neues Shalom

Links das Walled Off Hotel, rechts die Mauer


In den Straßen von Bethlehem

Eine Busfahrt, die ist lustig, eine Busfahrt, die ist schööön

Aditya und ich – kurz vor seiner Abreise noch ein gemeinsames Foto hinbekommen 😬

Jerusalem abends, während Shabbat. Die Straßen wie leer gefegt, keine Tram, keine Autos.

City of David

Heute haben Andrea, Aditya, Sam und ich den unterirdischen Teil der Stadt Davids erkundet: 533 Meter haben wir uns durch einen mit Wasser gefluteten Tunnel gewagt, in dem das einzige Licht das unserer Taschenlampen war.

 

Abstieg in den Tunnel 😬 noch mit Beleuchtung.

Der Tunnel wurde etwa 701 v. Chr. von König Hiskia angelegt, der die Wasserversorgung Jerusalems im Falle einer Belagerung durch die anrückenden Assyrer sicherstellen wollte. Der Tunnel leitete die vor der Stadt liegende Gihon-Quelle in den innerhalb der Mauern gelegenen Siloah-Teich ab. Der Kanal ist um die 65 cm breit und zwischen 1,50 m und 5,10 m hoch, man läuft also abwechselnd gebückt und gerade, das Wasser steigt einem am Anfang bis über die Knie – ein Abenteuer, und fast wie Kneipen 😬. 

Danke an Andrea, der das Bild gegen meinen Willen gemacht hat 😬

Danach sind wir nochmal ein paar hundert Meter durch einen trockenen Tunnel gelaufen, um am Ende wieder direkt vor den Mauern des Tempelbergs zu landen. Unsere Schuhe alle quietschend nass, haben wir uns auf den Weg zurück zum Hostel und dann zum Mittagessen gemacht – seit ich Shakshuka probiert habe, führen mich meine Beine automatisch dorthin. 

Ein alter Herr neben einem Saft-Stand hat mich angesprochen und mich mit seinem „very healthy, very good“ auf die leckeren Säfte aufmerksam gemacht. Nach einer kleinen Kostprobe war der Passionsfrucht-Saft gekauft, so lecker (und gesund 😬). 

Heute Morgen war es schon eine andere Nummer, in die Altstadt zu kommen. Überall standen ganze Truppen von Polizisten, wir mussten sogar unseren Reisepass zeigen. Aber sobald sie dann sehen, dass man aus Deutschland kommt, werden sie ganz freundlich 😬. Nach einem „I’om tov“ (Habt einen guten Tag) hört man sie sogar lachen. Heute haben wir auch Reporter gesehen, die fleißig Bericht erstattet haben (für euch zuhause vielleicht), und über unseren Köpfen sind einmal drei Hubschrauber hinweggerauscht – irgendwie schon ein seltsames Gefühl.

Wenn man – so wie wir – dann abends durch die Straßen läuft, gemütlich zu Abend isst und Cocktails trinken geht, fühlt es sich beinahe an wie zuhause. Gerade am Freitag-Abend ist wegen Shabbat alles ganz ruhig, man trifft nur vereinzelt Menschen, und wenn, dann sind auch sie gerade auf dem Weg nach Hause. Wir haben nach dem Essen die Gatsby Bar gesucht, denn die soll nach Angaben von Einheimischen die beste Bar Jerusalems sein. Leider ist sie nicht so leicht zu finden, denn nach außen hin ist sie nur durch ein schwarze Tür gekennzeichnet (die man erstmal finden muss 😬). Wenn man die Tür dann öffnet, befindet man sich in einer kleinen Bibliothek und dort öffnet sich eine Geheimtür, durch die man direkt in die Bar gelangt – es ist so cool! Die Musik, das Ambiente, man fühlt sich wirklich wie Gatsby. Wenn man sich die Preise der Cocktails anschaut allerdings auch, aber Alkohol ist ja überall in Israel teuer und dort lohnt es sich wenigstens. Die Cocktails waren super. 


Von der Bar selber hab ich mit Absicht keine Fotos gemacht – soll ja eine Überraschung bleiben. Aber das Gatsby hat nicht umsonst so eine gute Bewertung, so viel vorweg. 

Danach haben wir uns im Supermarkt nur noch zwei billige (haha, billig ist hier wirklich nichts) Flaschen Weißwein gekauft und uns damit auf die Dachterrasse des Hostels gesetzt. Ein entspannter Ausklang eines schönen Tages. Morgen geht es nach Bethlehem und ich hoffe, ich kann trotz der Schnarchnasen in meinem Zimmer ausgeschlafen in den Tag starten 😬. 

Leila tov! 

Sababa

Shalom. Ich liege mal wieder überglücklich im Bett, weil ein weiterer Tag so schön und lustig war. Morgens habe ich beim Frühstück wieder den alten Mann getroffen; Gabriel aus Südafrika und Oliver aus England saßen auch mit dabei. Die beiden hatten wir schon bei unserem ersten Besuch in Jerusalem kennengelernt, weil sie als Freiwillige in dem Hostel arbeiten. Gabriel hatte heute seinen letzten Tag hier (nach fünf Monaten, und die kamen ihm kurz vor – kein Wunder, dass sich mein Monat wie eine Woche anfühlt), und Andrea und ich sind dann zusammen mit den beiden in die Old City gegangen. Unsere heutige Mission: den Tempelberg sehen. Hat funktioniert 😬. 

Der Felsendom mit Andrea und Gabriel


Für Touristen scheint der Tempelberg momentan sicher zu sein, trotzdem muss man einen großen Sicherheitscheck durchlaufen und es stehen überall Gruppen schwer bewaffneter Polizisten. Ich kann mich meistens nicht entscheiden, ob ich mich dank ihnen sicherer oder bedrohter fühle. Auf dem Tempelberg selber war alles absolut ruhig und friedlich, genauso wie in der Altstadt auch. Die Menschen gehen ihrem gewohnten Alltag nach, grüßen einen freundlich und die Händler auf den Märkten versuchen nach wie vor, einen in ihre Läden zu locken. Es war für mich heute und auch an allen anderen Tagen unvorstellbar, dass hier auch Gewalt herrschen kann. Nathan, ein anderer Freiwilliger aus dem Hostel, war vorhin allerdings noch am Lion’s Gate und hat gesehen, wie dort Granaten geworfen wurden. Nachts würde ich von Jerusalem momentan also vielleicht eher abraten (wieso können sich nicht alle einfach lieb haben?!).

Ja, danach sind wir noch ein bisschen durch die Märkte gestreift und schließlich zurück zum Hostel gegangen. Es war schon wieder so heiß, dass wir uns alle nach einer Dusche gesehnt haben (wenn ich mir die Temperaturen für Deutschland so anschaue, nehme ich das Schwitzen aber gerne in Kauf 😬 ). Andrea hat in ein neues Zimmer eingecheckt und ich wollte eigentlich nur sehen, wie es da so aussieht, also bin ich ihm gefolgt (es liegt gleich neben meinem), und als er die Tür aufgeschlossen hat, stand da auf einmal Aditya, der Inder, mit dem wir in Haifa ein Zimmer geteilt hatten, und wir mussten alle darüber lachen, wie klein auch hier in Israel die Welt ist. Es war so schön. Nach einem kleinen Powernap sind wir abends dann in einer großen internationalen Gruppe Essen gegangen und es war das LECKERSTE, was ich hier bisher gegessen habe. 

Jahnun Bar. Hier gibt es unter anderem Shakshuka, das man bei einem Israel-Besuch einfach probieren MUSS.

Zubereitung des Shakshuka: ein Blätterteigartiger Wrap, gefüllt mit allerlei Dips, einem flüssigen Ei und Gemüse. Mamash Ta’im 😍


Nach einem Spaziergang (okay, eigentlich waren wir nur auf der Suche nach einem leckeren Nachtisch) sind Aditya und ich zurück ins Hostel gelaufen, während die anderen noch in eine Bar gegangen sind. Im Hostel haben wir dann wieder einen Bekannten getroffen (ich kann mir  seinen Namen einfach nie merken) und einen richtig netten, restlichen Abend verbracht. Wir haben so viel gelacht – über Gemeinsamkeiten und Unterschiede unserer Herkunft, über Witze und Videos und einzelne Momente, die ich bestimmt nie vergessen werde. Und wir haben beide zusammen festgestellt, dass wir in der Welt zuhause sind. Toda, Israel

Happy Days in Jerusalem

Ich kann gar nicht beschreiben, wie glücklich mich die Zeit hier in Jerusalem, aber auch die ganze Reise an sich macht. Man schwebt konstant auf Wolke 7. Die Begegnungen mit Menschen verschiedenster Herkunft wecken Glücksgefühle und diese Vorstellung in mir, dass man sich überall zuhause fühlen kann, dass man vielleicht sogar überall zuhause ist. 

Heute Morgen beim Frühstück hat sich ein älterer Herr zu mir gesetzt und am Ende haben wir fast eine Stunde miteinander geredet, er hat mir eine Geschichte zur Geschichte der Juden und ein bisschen aus seinem Leben erzählt und es war fast, als säße ich meinem Opa (den ich nie hatte) gegenüber, so vertraut war das Gespräch. 

Mittags bin ich dann mit Andrea und Lina nach Yad Vashem gefahren, der bedeutendsten Holocaust-Gedenkstätte, die an die grausame Zeit damals erinnert und sie dokumentiert. Wir haben fast drei Stunden dort verbracht, hätten aber noch viel länger bleiben können – es gab so viel zu lesen, so viele Videos, so viele Bilder zu sehen. Man sollte dieses Museum besucht haben, finde ich. 

Nachmittags habe ich ein bisschen Hebräisch-Unterricht von Eviatar bekommen, der in Jerusalem wohnt und immer wieder nach Feierabend im Hostel hier vorbeischaut. Er kam dann abends auch mit uns zum Essen mit (in die Burgers Bar, wirklich lecker) und hat vorgeschlagen, seine Oma zu fragen, ob wir am Freitag mit seiner Familie Shabbat feiern dürfen. Ich konnte meinen Ohren nicht trauen, so nett fand ich das von ihm. Dank ihm kann ich jetzt übrigens auch bis 10 auf Hebräisch zählen 😀 . 

Den restlichen Abend habe ich noch mit Andrea in der Altstadt verbracht. Ich wollte ihm eine schöne Aussichtsstelle zeigen, aber die sollte man halt auch finden (ich hab sie leider nicht mehr gefunden 😀 ). Vielleicht morgen. 

Ach, es gibt so viel mehr über dieses Land und seine Leute zu erzählen, als ich jemals aufschreiben könnte. Ich werde noch lange, lange daran zurückdenken und mich freuen, dass wir uns damals für Israel entschieden haben. Leila tov, mein Bett ruft. 

Noch ein Flashback zum Pinkes-Bier-Trink-Abend vorgestern 😬

Ein Lebenszeichen

Auch wenn ich mich heute noch nicht so recht am Leben fühle (wenn man Pinkes Bier trinkt, ist man da wahrscheinlich auch selber schuld), hier ein kleines Lebenszeichen von mir. Wir sind am Sonntag nach einer fünfstündigen Busfahrt wieder in Jerusalem angekommen, und es war schon cool, sich mal ohne Map auszukennen. Fast wie Nach-Hause-Kommen. Da Karo nur eine Nacht gebucht hat und ich für eine ganze Woche reserviert habe, wurden wir unterschiedlichen Zimmern zugeteilt. Wir haben beim Check-In gefragt, ob es möglich ist, zusammen in eins zu kommen – nein, nicht möglich. Ok. 

Das Zimmer, das mir zugeteilt wurde, hat mir dann gar nicht gefallen. Hauptsächlich, weil es so dunkel dort war. Noch bevor ich mein Bett überzogen habe, bin ich also zurück zur Rezeption und habe gefragt, ob ich in ein anderes kann (für eine Nacht wäre es mir egal gewesen, aber ich bleibe ja eine Woche hier). Und siehe da: mein neues Zimmer ist dasselbe wie Karos 😀 . 

Wir sind dann gleich nochmal nach draußen, haben einen Markt besucht und abends was gegessen. Der Kellner meinte schon: „it’s hot, isn’t it?“ und wir so: „wir kommen gerade aus Eilat, dagegen ist es hier super angenehm.“ – Ja, das nehme ich inzwischen zurück. Es ist trotzdem auch hier heiß, zwar nicht so heiß, aber heiß, und dennoch bin ich gestern in die Stadt gelaufen, um mir einen Pulli zu holen. Abends hab ich den dann nämlich gebraucht (sobald die Sonne untergeht, fängt es in Jerusalem immer ziemlich stark zu winden an und dann wird es wieder kalt 😀 ). 

Ja, und jetzt bin ich allein in Jerusalem, Karo fliegt in diesem Moment zurück nach Deutschland, aber in einem Hostel ist man ja nie so richtig allein. Gestern habe ich den Abend mit ein paar Leuten vom Hostel verbracht und mich danach noch mit Alba und Andrew getroffen, die wir in Haifa kennengelernt haben. War ein lustiger Abend und wenn man sich noch bis zwei Uhr nachts mit anderen Hostel-Gästen unterhält, darf man auch mal länger schlafen. So bis 12 oder so (so lange hab ich schon ewig nicht mehr geschlafen). Mal sehen, wozu ich mich heute aufraffen kann, von der Altstadt oder zumindest bestimmten Teilen von ihr soll man sich wohl wirklich fernhalten. Aber es gibt ja immer was zu tun, deshalb: Bis bald 😀 


Die versteckte Einkaufsstraße – folgt man ihr bis zum Schluss, kommt man an den Mauern zur Altstadt raus.

 

Back to the start 

Shalom. Ich sitze gerade in der letzten Reihe eines Busses nach Jerusalem, Karo schläft, neben mir sitzt ein orthodoxer Jude, daneben ein Soldat, und eins weiter ein Junge. Das würde ich gerade gern Bild festhalten, käme aber zu auffällig 😀 . Wir sind seit einer Stunde unterwegs und haben noch vier weitere vor uns, wir haben aber genug Essen und Trinken dabei, daher sehe ich der Busfahrt entspannt entgegen.

Gestern war ich zu keinem Eintrag mehr fähig. Es war einfach unbeschreiblich heiß. Wir sind morgens los an den Strand und haben uns zum krönenden Abschluss unserer Zeit in Eilat mal eine Liege gegönnt. Aber trotz Schatten und Abkühlung im Roten Meer war die Hitze nur schwer zu ertragen. Wir haben ja auch mit einigen Einheimischen gesprochen und alle meinten, man gewöhnt sich nicht daran – 42 Grad hatte es zur Mittagszeit angezeigt. Sobald wir nach den Strandtagen hier immer zurück ins Apartment kamen, haben wir sofort alles fallen gelassen, uns unter die kalte Dusche gestellt und uns erstmal eine ganze Weile nicht mehr bewegt. So lange, bis wir durch die Klimaanlage wieder gefroren und uns nach der Hitze draußen gesehnt haben. Verrückte Welt hier.

Ja, das ist Karo da hinten 😬

Omri kam gestern Abend dann endlich wieder aus Tel Aviv zurück, wir haben uns mit ihm in der Stadt getroffen, uns was zum Essen geholt und am Strand gegessen. Es war ein richtig schöner Abschluss, auch wenn wir wieder komplett verschwitzt zurückgekommen sind. Selbst nachts hält man es in Eilat nicht allzu lange draußen aus. Trotzdem eine richtig coole Stadt, in der man was erleben kann. Ich weiß allerdings nicht, ob ich sie ohne die Begegnung mit Omri auch so cool gefunden hätte. Im Endeffekt sind es immer die Menschen die man trifft, die einen Urlaub zu etwas Besonderem machen.

Blick auf die Promenade von Eilat

Ja, und nach einem schönen Morgen mit Omris Gesangsküsten sind wir jetzt zurück auf dem Weg nach Jerusalem, und auch wenn uns jeder davor gewarnt hat, hoffen wir, dass wir noch ein paar schöne Stunden dort verbringen können. Karo fährt morgen zurück nach Tel Aviv und fliegt am Dienstag nach Deutschland, ich bleibe noch ein bisschen länger in diesem wunderschönen, aufregenden Land. Nachon. Ja genau. 

Das Rote Meer 

Heute wurde ich – denn Karo war schon vor mir wach – von Omri, unserem Gastgeber geweckt, der sich mit seiner Gitarre vor unser Bett gesetzt und uns ein paar schöne Lieder vorgespielt hat. So wacht man doch gleich viel entspannter auf 😀 . Er ist dann zusammen mit den anderen zur Arbeit aufgebrochen, während Karo und ich uns für den Strand fertiggemacht haben. Also Bikini an, Handtuch eingepackt und auf dem Weg zur Bushaltestelle noch Frühstück beim Bäcker geholt (die Backwaren hier sind so lecker). Die Busfahrt zum Strand hat gerade mal einen Euro gekostet, obwohl wir eine halbe Stunde unterwegs waren (wir sind aus Versehen ein Stück zu weit und bis zur ägyptischen Grenze gefahren – hallo Ägypten 😀 ). Als wir das Haus verlassen haben, dachte ich noch: Ach, geht ja mit der Hitze. Aber dann wurde es im Minutentakt heißer und heißer, und ich zunehmend schlechter gelaunt. Ich hatte zu meiner Verteidigung aber auch noch nichts gegessen, wir waren davor schon wieder viel gelaufen und es war eben heiß. Nach dem ersten Mal Schnorcheln im Roten Meer sah die Welt dann aber ganz anders aus: in schönste Blautöne getaucht und umschwärmt von Fischen aller Art. Es war ein Traum. 


Es war aber auch unerträglich heiß, wirklich unerträglich – über 40 Grad, das konnte ich mir nie so recht vorstellen. Man fühlt sich ein bisschen, als würde man brennen 😬 . Für den Heimweg sind wir erstmal ewig gelaufen, bis wir eine Bushaltestelle gefunden haben, und weil wir keine Lust hatten in der Hitze zu warten und auch gar nicht wussten, wann ein Bus kommt, sind wir halt wieder getrampt. Dabei kann man echt nette Gespräche führen und man ist viel schneller und komfortabler und günstiger am Ziel (natürlich sollte man immer seinen gesunden Menschenverstand nutzen und nur einsteigen, wenn man auch ein gutes Gefühl dabei hat). Weil heute Freitag ist und damit ab nachmittags wieder Shabbat ausgerufen wurde, mussten wir aber noch einen geöffneten Supermarkt finden und etwas zu Essen kaufen – es war wirklich ein qualvoller Heimweg. Es kam uns nichts als heiße Luft entgegen, immer wieder mussten wir kurz Pause im Schatten machen, und als wir endlich, endlich Omris Wohnung erreicht haben, habe ich erstmal die Klimaanlage eingeschalten. Kurze Zeit später kam Joel, Omris derzeitiger zweiter Mitbewohner, nach Hause und wir haben entschieden, zusammen Abendessen zu kochen. Omri ist leider bis morgen Abend in Tel Aviv, seine gute Laune und sein fröhlicher Geist haben hier schon ein bisschen gefehlt. Es war trotzdem richtig nett, und zusammen mit einer anderen Couchsurferin aus Israel hatten wir ein tolles Shabbat-Dinner: 

Shabbat Dinner (Spaghetti mit Tomatensauce 😬)

Dank der Israelin (Joel kommt aus Kanada) konnten wir unseren Hebräisch-Wortschatz um einige Wörter erweitern. Ich finde die Sprache so interessant. Ich glaube, das liegt daran, dass ich in ihr einfach keinerlei Struktur erkenne, dass ich nichts davon verstehe. Da hilft auch kein Großes Latinum 😀 . Nach dem Essen sind wir noch ins Stadtzentrum gefahren und haben uns am Meer einen Frozen Joghurt gegönnt. Da war richtig was los, hat mich schon beinahe an das Rutenfest erinnert. Eilat erinnert an einen Mix aus Miami, Las Vegas und Israel, finde ich. Alles vertreten – von palastartigen Hotels über Fahrattraktionen, Shopping-Malls und Strandpromenaden, bishin zum üblichen Falafelstand. Ich finde es aufregend hier. Am schönsten aber ist es, dass wir die Stadt bei und mit Einheimischen kennenlernen dürfen. Leila tov. Gute Nacht. 

Frozen Joghurt aus Mango, Erdbeeren, Melone und Schokolaaaade

Eilat bei Nacht.

Von einem heißen Ort zu einem noch heißeren Ort

Heute haben wir das wirklich tolle und so familiäre Hostel (Green Backpackers Hostel) in Mitzpe Ramon verlassen. Natürlich nicht, ohne gestern Abend im Dunkeln noch unter dem Sternenhimmel zu liegen. Erst haben Karo und ich aber einen Versuch gestartet, Süßkartoffelpommes selber zu machen (Versuch ist gescheitert), und währenddessen zusammen mit ein paar anderen den Film „Eat, Pray, Love“ angeschaut. Nämlich hier: 

Wohnzimmer im Green Backpackers Hostel – so gemütlich!


Als Karo und ich dann nach draußen gegangen sind, war es schon nach halb 10 abends. Es war richtig stürmisch und – wer hätte es gedacht – dunkel. Wir wollten wieder zum Camel Hill hoch, aus irgendeinem Grund hatte ich aber die ganze Zeit so Angst, dass ich es nicht richtig genießen konnte. Kennt ihr das, wenn das einzige Licht von dem kleinen Strahl einer Taschenlampe kommt und sich überall Schatten bilden? Und dann hat sich auch noch langsam ein Auto  von hinten genähert; erst als es neben uns zum Halt kam, haben wir gesehen, dass es die Polizei ist. Die wollte wissen, ob alles ok ist, also haben wir erklärt, dass wir den Sternenhimmel von der Aussichtsplattform sehen wollen. Ok, alles klar. Da sind sie weiter gefahren, und haben einige Meter weiter oben gehalten und ihr Auto ausgeschalten. 

Auf der Plattform angekommen war es nochmal stürmischer, der Wind hat richtig gepfiffen, mir war kalt, und ich hatte Angst 😀 . Hört sich alles andere als romantisch an, ich weiß. Aber es war trotzdem nett (die Sterne, meine ich). Allzu lange sind wir (zum Glück) nicht geblieben, und als wir zurück auf der Hauptstraße waren, kam auch die Polizei langsam wieder den Berg runtergefahren – ein bisschen seltsam. 

So, jetzt aber zum heutigen Tag: wir sind in Eilat angekommen! Am südlichsten Punkt Israels, wo man mit einer Hitzewelle und einem Wahnsinns-Ausblick begrüßt wird. Drei Länder kann man von hier aus sehen: Jordanien, Saudi-Arabien und Ägypten. Eigentlich wollten wir einen Bus von Mitzpe Ramon nach Eilat nehmen, aber die Hostel-Mitarbeiterin meinte, wir könnten auch einfach versuchen zu trampen, das würde hier wirklich jeder machen und die Leute nehmen einen gerne mit. Wir haben es dann ein bisschen drauf ankommen lassen. Wir sind zur Bushaltestelle gelaufen und haben nicht nur diesen netten Gesellen gesehen: 


sondern auch eine Mitfahrgelegenheit gefunden. Hat auch gar nicht viele Autos gebraucht, bis eins angehalten hat. Ein paar Minuten später saßen wir dann bei einem netten Mann im Auto, der zwar gefahren ist wie ein Verrückter (also so halt, wie alle hier fahren – hab ich ja schon berichtet), aber richtig nett und nach der zweiten Hälfte des Weges sogar lustig war. Er hat mit uns sogar sein Essen teilen wollen und es lief Ed Sheeran 😀 . Nach etwa eineinhalb Stunden waren wir dann da, in Eilat, wo wir nach einem leckeren Mittagessen von Omri abgeholt wurden, bei dem wir die nächsten Tage couchsurfen. Er wohnt in einer WG mit einer deutschen Biologin und wir haben uns auf Anhieb super verstanden (gerade versucht er, Karo irgendeine Art von Knoten beizubringen 😀 ). Schon ein erster Spaziergang hat uns davon überzeugt, dass Eilat großartig ist. Wir wären am liebsten sofort ins Rote Meer gesprungen, aber wir hatten keine Badesachen dabei. Morgen dann. Morgen wird ausgiebig gebadet. 

Das Rote Meer mit Sicht auf Jordanien


Eilat hat übrigens sogar einen eigenen kleinen Flughafen und ich habe heute den Schreck meines Lebens bekommen, als plötzlich direkt über unseren Köpfen ein Flugzeug im Landeanflug vorbeigerauscht ist. Ich muss morgen ein Foto davon machen, das glaubt einem ja kein Mensch. Man hätte es beinahe anfassen können. 

So, jetzt aber genug für heute. Ich wünsche den Ravensburgern unter euch eine Scheene Ruata 😀 . Allen anderen: tschüss. 

Welcome to desert

PART I 

Der gestrige Tag war richtig langweilig. Tagsüber kann man hier in Mitzpe Ramon absolut gar nichts machen, weil es schlichtweg zu heiß ist. Mittags sind Karo und ich dennoch kurz raus, weil wir den kleinen Camel Hill hochsteigen wollten, eine Aussichtsplattform direkt vor dem Hostel. Was wie ein Erdhäufchen aussah, wurde durch die Hitze doch zur anstrengenden Herausforderung, und als wir zurück waren, habe ich mich erstmal wieder ins Bett gelegt 😀 . Das ist das Gute an einem Aufenthalt in der Wüste: man kann ohne schlechtes Gewissen den ganzen Tag im Bett liegen, denn: für alles andere ist es eh zu heiß. 

Camel Hill

On top of Camel Hill

 

Dafür sind wir aber natürlich nicht hierher gekommen. Karo ist nachmittags schließlich zu einer Berg-Abseilungs-Tour gegangen (mich hätten keine zehn Kamele dazu gebracht, für Todesangst auch noch Geld zu bezahlen 😀 ), ihre Bilder sahen echt cool aus. 

Tooooodesangst hätte ich da.

 

Ich dagegen habe mich fürs Kamelreiten entschieden – eines der Dinge, die ich bei dem Gedanken an Wüste schon immer mal machen wollte. Über das Hostel wurde der Kontakt zu einer Beduinenfarm hergestellt, von denen ich dann auch direkt am Hostel abgeholt wurde. Nach nur 10 Minuten (die zu Fuß Stunden gebraucht hätten) befand ich mich dann auf der isoliertesten Farm dieses isoliertesten Fleckchens Mitzpe Ramon – ein bisschen komisch, denn ich wusste, dass ich ohne den Fahrer nicht mehr zurückkommen würde. Da standen dann auch schon die Kamele, bereit, geritten zu werden – wir allerdings nicht. Wir mussten noch auf eine Familie warten, und überhaupt wurde alles gaaanz ruhig angegangen. Ich wurde von einem Mann begrüßt, „Welcome to desert!“, rief er schon von Weitem, und zeigte auf den freien Stuhl neben sich. Ich kann mich nicht mehr richtig an seinen Namen erinnern, aber ich glaube es war so etwas wie Ekem (nennen wir ihn im Folgenden einfach mal so). Ekem sollte derjenige sein, der unsere kleine Runde auf den Kamelen durch die Wüste führen sollte. Ekem konnte leider so gut wie gar kein Englisch, der einzige Satz, den er beherrschte, war: „Welcome to desert“. Kann man dafür ja beliebig oft wiederholen, so einen Universalsatz. Mehr schlecht als recht haben wir dann ein Pläuschchen gehalten, er hat auf seine Zigaretten gezeigt und gefragt, ob ich auch rauche („No weed?“ – Äh, nein 😀 ). Als dann die anderen ankamen – eine Familie mit drei Kindern aus Jerusalem – ging es endlich (langsam) los. Ich war die einzige, die kein Hebräisch sprechen konnte, aber darum sollte es an diesem Nachmittag ja auch nicht gehen. Das Kamel kann man zum Glück auch völlig wortlos reiten. Und so stiegen wir auf die Kamele, ich durfte alleine auf dem vordersten sitzen, und gemächlich ritten wir durch die Wüste. Ekem hat sich immer mal wieder zu mir umgedreht und „Is good?“ gefragt, und auf mein „Toff“ (hebräisch für „gut“) gesagt: „Welcome to desert!“

Die Kamele

Auf dem Kamel

 

Vor dem Kamel

Manchmal haben wir angehalten, und er hat Zweige von kleinen Büschen abgebrochen, in seinen Händen zerrieben und uns gegeben, um daran zu riechen. Der Geruch kam mir fremd und bekannt zugleich vor; da alle Erklärungen auf Hebräisch waren, habe ich keine Ahnung, worum es sich dabei gehandelt hat. Und dann kamen wir immer näher an den Krater (der kein Krater ist), und je näher wir ihm kamen, desto windiger wurde es. Auf einmal flog ohne Vorwarnung meine Mütze davon, ich hab sie schon den Abgrund hinabsegeln sehen und mich innerlich von ihr verabschiedet, aber Ekem hat mir die Zügel meines Kamels in die Hand gedrückt und ist ihr heldenhaft hinterhergerannt. Ich bin ihm so dankbar. Ich habe in der Sekunde zwar gesagt, es wäre ok, dann ist sie halt weg, aber tatsächlich hänge ich doch sehr an ihr, ist sie doch mitunter eine Erinnerung an meine Zeit in Amerika. 

Am Abgrund des Kraters sind wir dann abgestiegen und die Aussicht war von dort einfach gigantisch. Auf Bildern kommt es leider nie so deutlich rüber, aber es sieht wirklich unbeschreiblich aus.


Ekem hat eine ganze Menge über den Krater* erzählt (ich kann nur spekulieren, was es war), aber der Vater der Familie hat mir schließlich übersetzt, dass man über dem Krater* den Geist Gottes spüren können soll. Er hat für die Menschen hier also auch eine große spirituelle Bedeutung. Ekem hatte immer wieder auf seinen Kopf und sein Herz gezeigt und mir damit zu verstehen geben wollen: hier denkt man nicht, hier fühlt man. 
Nach einer Weile an diesem stürmischen Ort haben wir uns dann wieder auf den Rückweg gemacht. Dieses Mal hat sich Ekem mit auf mein Kamel gesetzt und wir sind alle zusammen geritten. Und immer wieder hat er sich umgedreht und gesagt (na, wer errät es?): „Welcome to desert!“ 😀 . 
Zurück auf der Farm gab es erstmal Tee und Gebäck, auf mein „Dota, lo“ (Danke, nein) hin wurde mir trotzdem eine Tasse eingeschenkt („It good, it good!“) und irgendwie dachte ich dann auch, dass es ja alles wirklich nur gut gemeint ist. Alle waren so nett zu mir und trotzdem war es wieder eine seltsame Erfahrung, kein Wort zu verstehen. Immerhin gab es aber süße Babykätzchen auf der Farm – so hatte ich eine Beschäftigung, während Ekem die Kamele abgesattelt und versorgt hat. Es war schon dunkel, als er mich schließlich zurück ins Hostel gebracht hat, natürlich nicht, ohne mich noch ein paar Male in der Wüste willkommen zu heißen. Eine wirklich auf vielen Ebenen spannende Erfahrung. 

PART II 

Um 5:00 Uhr morgens hat heute der Wecker bei uns geklingelt: es sollte endlich zum Wandern gehen. Am Abend davor waren zum ersten Mal, seit wir in Israel und in Hostels sind, alle aus unserem Zimmer vor Mitternacht im Bett – ein lustiges Bild. Wir haben das Zimmer diese Nacht mit einem Pärchen aus Holland und einem Finnen geteilt, und hatten wie Kinder im Schullandheim noch eine ganze Menge zu lachen, bevor wir eingeschlafen sind. Im Gegensatz zu der Masada Tour damals habe ich mich heute sogar ganz ausgeschlafen gefühlt. Wir haben uns angezogen, kurz ein Brot geschmiert und sind losmarschiert. Es war noch kühl, aber die milde Temperatur irgendwie wohltuend. Die ganze Stadt lag absolut ruhig da, die Sonne war kurz vor dem Aufgehen und wir haben uns an den Abstieg in den Krater (der kein Krater ist) gemacht. Es war absolut traumhaft! 

Es gibt verschiedene Wanderwege hier, wir haben uns für den kürzesten entschieden, der etwa fünf Kilometer lang ist und laut Hostel-Mitarbeitern 3-4 Stunden dauert. Alle paar Meter sind Steine mit einer bestimmten Farbe markiert und geben die weitere Richtung an. Wir haben also ständig Ausschau nach dem nächsten grün markierten Stein gehalten und so gar nicht gemerkt, wie lange wir eigentlich schon unterwegs waren. Erst, als wir in der Ferne ein Auto auf einer Straße sahen, wurde uns bewusst, dass wir es schon fast geschafft hatten – nach nur zwei Stunden. Die viele Energie, die wir noch übrig hatten, haben wir erstmal für ein paar Fotos genutzt.

Wie viele Versuche braucht es, ein einigermaßen vernünftiges Bild hinzubekommen? – Viele 😬.

Den Weg zurück muss man trampen. Wir wurden eindringlich von der Mitarbeiterin hier gewarnt, nicht zurückzulaufen – weder auf der Straße, noch durch die Wüste – und von ihr davon überzeugt, dass Trampen hier ganz normal ist und die AutofahrerInnen in der Regel gerne WanderInnen mit zurück in die Stadt nehmen. Das Problem war nur, dass es noch so früh am Morgen war, dass kaum Autos vorbeifuhren. Was macht man in so einem Fall? Richtig: erstmal essen. Und Bilder machen 😀 .

 

Die Gelegenheit, mal ein bisschen auf Straßen rumzuspringen 😬

 

Schließlich hat ein netter Autofahrer angehalten und uns zurückgefahren. Es war wirklich eine lange und vor allem steile Strecke (ich verstehe jetzt, warum man die nicht laufen soll 😀 ). Er hat uns sogar etwas zu Trinken angeboten, was ich richtig nett fand. Und schon waren wir wieder zurück in Mitzpe Ramon, und schneller, als man gucken konnte, waren Karo und ich dann auch nochmal im Bett – ein bisschen Schlaf nachholen. 

Ja, so ist das hier. Eine weitere Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Welcome to desert. 

*was als Krater bezeichnet wird, ist eigentlich ein Machtesch, ein Erosionskrater. Die Mythen, das hier zum Beispiel mal ein Meteorit eingeschlagen hat, stimmen nicht. 

Ab in die Wüste 

Mit Zug und Bus ging es heute von Haifa nach Mitzpe Ramon, die isolierteste Stadt Israels inmitten der Wüste. Hier gibt es nichtmal Ampeln (Menschen können hier dennoch ihren kompletten Führerschein machen – da wundert es auch nicht mehr, warum hier so viele so gestört fahren), und Krankenhäuser haben nur bis 19 Uhr geöffnet. Gut zu wissen 😀 . Dafür gibt es hier den dritthöchsten Berg Israels und den für diese Gegend so bekannten Ramon Krater (der eigentlich kein Krater ist), der immer wieder Touristen wie uns anlockt. Die meisten kommen zum Wandern hierher, Karos und mein Motiv ist irgendwie noch unklar. Wir dachten halt, es wäre mal cool, die Wüste zu sehen. Als wir in unserem neuen Hostel (Green Backpackers Hostel – sehr cooler Ort) angekommen sind, wurden wir auch gefragt, wie viele Stunden wir am Tag wandern wollen, und Karo und ich beide so: ääääääh, eigentlich haben wir uns darüber noch keine Gedanken gemacht, wir kamen nicht wirklich zum Wandern hierher?! 😀 Wir werden übermorgen trotzdem mal einen 5-Kilometer-Hike durch den Krater (der kein Krater ist) machen. Dafür muss man spätestens um 5 Uhr morgens aufstehen, weil man etwa 3-4 Stunden braucht, es sonst unerträglich heiß wird und man vielleicht stirbt – wie ein Mann erst letzte Woche (wurde uns heute erzählt, aber Karo und ich werden bestens gewappnet sein). Nach dem Masada-Aufstieg schockt mich eh nichts mehr. Davon abgesehen möchte ich ein Kamel reiten (ich wurde dafür vorhin schon von zwei Israelis ausgelacht) und Karo wird sich morgen wahrscheinlich von einem Berg hier abseilen, das wird von dem Hostel aus ab und zu angeboten. Wir kamen übrigens genau zur richtigen Zeit: Mitzpe Ramon leidet dieser Tage unter einer Hitzewelle. Wuhu 😀 . 

Kameeeeele


Hier passiert jeden Tag so viel, dass ich immer gar nicht weiß, wo ich anfangen soll zu erzählen, und so viel lasse ich schon weg, damit es die Einträge hier nicht sprengt. Vielleicht noch ein paar allgemeine Erlebnisse der letzten Tage. Was ich in Israel richtig cool finde, ist, dass es fast überall Bücher gibt. Egal ob in Form von Buchhandlungen oder Bücherregalen, die an Bahnhöfen oder in Hostels stehen (hier kann sich jeder Bücher mitnehmen und welche dort lassen, es ist ein Traum für jeden Buchliebhaber: 


Auch an vielen Bahnhöfen zu finden sind Klaviere, auf denen jeder spielen darf. Es ist so schön, wenn man während der Wartezeit teils richtig virtuosen Klavierstücken lauschen kann, genauso wie den talentierten Straßenmusikern oder Leuten, die man im Hostel trifft (heute Abend haben eben die Israelis, die mich für meinen Kamel-Reit-Wunsch ausgelacht haben, einen improvisierten Entschuldigungssong auf der Gitarre gespielt 😀 ). Israel ist einfach voller Leben und die Menschen sind so herzlich und hilfsbereit. Allein heute wurden wir von einer jungen Frau angesprochen, ob wir Hilfe bräuchten, nur, weil wir vor dem Info-Center standen, und am Ende hat sie uns bis zur richtigen Busstation gebracht (na gut, sie musste selber da hin, aber unterwegs hat sie uns noch die leckersten Imbisse gezeigt – keine Ahnung wie es hieß, aber das Essen war sooo gut!).  

Öffentliche Verkehrsmittel sind hier super – für die Fahrt von Haifa nach Mitzpe Ramon haben wir beispielsweise rund 70ILS gezahlt, das sind umgerechnet 17,50€. Für eine stundenlange Fahrt! Für unser Abenteuer mit dem Bus gestern haben wir 5,90ILS gezahlt, also 1,50€. Damit komme ich in Deutschland nichtmal von der Stadt nach Hause 😀 . Aber in irgendeinem Bereich muss uns Israel finanztechnisch ja entgegenkommen, wenn schon alles andere so teuer ist.

Bei der kleinen Tour heute gab es anfangs eine kurze Vorstellungsrunde, und jeder von uns kam einfach aus einem anderen Land. Es waren China, Deutschland, Holland und Finnland vertreten. Den Chinesen haben wir später zufällig beim Abendessen in einem Restaurant wiedergetroffen – da saß er allein an einem Tisch und wir haben ihn gefragt, ob er sich zu uns setzen möchte. Der restliche Abend war dann SO lustig. Erstmal hatten Karo und ich es noch mittags davon, wie schlecht die Manieren von Chinesen (und mit Sicherheit auch von einigen Deutschen) sein können, und ich sage noch zu Karo „das kann ich mir gar nicht vorstellen“, bis wir heute dann mit ihm beim Essen saßen und er so laut geschmatzt hat, dass ich eine Entschuldigung erfinden musste, warum ich lache. Wir haben ihn dann nach seinem Lieblingsgericht gefragt und ihn wirklich oft mit gekochte Hunde- und Katzen-Witzen aufgezogen, aber er musste selber darüber lachen und überhaupt lachen Karo und ich auch oft genug über uns 😀 (wenn man es aufschreibt, klingt es einfach nie so witzig, wie es tatsächlich war). 

Während wir so beim Essen saßen und gelacht haben, stand ein paar Meter weiter von uns eine ganze Gruppe von jungen Leuten, die Gewehre umhängen hatten. Das ist in Israel kein ungewöhnliches Bild, man sieht fast überall Soldaten mit ihren Waffen, egal ob in der Bahn oder im Bus, in den Städten oder wie vorgestern in unserem Zimmer (brauchen halt ab und zu auch einen Platz zum Schlafen). Heute dachte ich dann aber schon, dass es wirklich krass aussieht. Die stehen da und lachen miteinander, essen und trinken, aber eben mit den Waffen um die Schultern hängend. Ein groteskes Bild und hier doch so normal – keiner der anderen Gäste hat sich darüber gewundert, geschweigedenn Blicke darauf geworfen. Es ist hier schlichtweg normal. 

So, jetzt aber genug geplaudert, ich versuche zu schlafen. Over and out. 

Letzte Tage in Haifa

Okay, bei fünf Nächten kann man jetzt vielleicht nicht groß von den „letzten Tagen“ hier sprechen, weil die ersten fast schon die letzten sind, aber man gewöhnt sich doch so schnell an neue Städte, dass es mir gerade komisch vorkam, als ich Karo fragte, wie lange wir nun hier waren und wir eben auf „nur“ 5 kamen. Fühlt sich nämlich schon wie eine Ewigkeit (und nach vielen Kommas in dem letzten Satz 😀 ) an. 

Den gestrigen Tag haben wir von Nach-dem-Frühstück bis Sonnenuntergang am Strand verbracht. Das Frühstück ist hier übrigens bei weitem das Beste, das wir auf Reisen je hatten. Ich kann allen, die Haifa mal selbst sehen wollen, das Port Inn nur empfehlen. Sehr nettes Personal und eben großartiges Frühstück. Ansonsten ist es sehr ruhig hier, was aber wohl eher an Haifa selbst liegt und weniger an dem Hostel. 

Sonnenuntergang am Strand von Haifa


Heute dachten wir, machen wir mal wieder ein bisschen mehr als nur am Strand zu liegen. Wir wollten nach Rosh Hanikra, wo man Grotten besichtigen kann. Ja, Betonung auf wollten – bis zur vorletzten Station haben wir es geschafft, dann war das Weiter- und Zurückkommen aber irgendwie zu kompliziert für unsere von der Hitze so geschwächten Gemüter, dass wir einfach nur in die Kreuzfahrerstadt Akko gefahren sind. Sah wirklich nett aus, aber es war heute zu heiß. Wirklich zu heiß (meine Kondition und mein Wille, Hitze zu ertragen, haben im Laufe der Zeit hier echt nachgelassen). Trotz allem sind wir heute mal wieder ungewohnt viel gelaufen – die folgenden Bilder sind also unter schwersten Bedingungen entstanden 😀 .

Küste Akkos (See-Promenade)


Die Moschee in Akko

😬


Ja, so viel zu Akko. Wir haben dort übrigens auch Mittag gegessen. War interessant und lecker: 

Trede (Bohnen mit Joghurt, Garlic und Brot) und Hummus mit Bohnen


Kaum waren wir dann zurück im Hostel, war mir doch wieder irgendwie langweilig. Also haben wir überlegt, noch in die Grand Canyon Mall zu fahren. Gesagt, getan. An der Rezeption haben wir nach dem Weg dorthin gefragt: es gäbe zwei Busse, einmal Linie 24, die nur eine halbe Stunde braucht und zur Haifa Universität fährt, und die Linie 28, die eine Stunde braucht, aber dafür direkt zur Mall fährt – die würde sie (die Dame an der Rezeption) nicht nehmen, dauert zu lang. Also haben Karo und ich Linie 24 genommen und den Busfahrer gebeten uns zu sagen, wann wir da seien und ja, im Endeffekt sind wir 1:45 Stunden gefahren, weil wir uns falsch ausgedrückt haben und er dachte, wir wollten zu der Universität. Passiert. Jetzt haben wir mal die Haifa Universität gesehen (die am hintersten Ende der Welt liegt) und dafür einen wunderschönen Sonnenuntergang vom Bus aus gesehen 😀 . 


Am Ende haben wir es dann ja auch in die Mall geschafft, das Nach-Hause-Kommen war dann aber auch wieder so eine Sache. Spät abends an einer Bushaltestelle in Haifa zu stehen, die Anzeigentafel, wann der nächste Bus kommt, ausgeschalten und alle Passanten auf die Frage hin, ob da noch ein Bus fährt, verneinend – das war dann doch ein bisschen blöd 😀 . Vor allem, weil wir wussten, dass wir relativ weit vom Hostel weg waren. Zwei Mädchen haben wirklich versucht, uns zu helfen, obwohl sie kein Wort Englisch konnten. Schließlich habe ich vorgeschlagen, dass sie Google Translate benutzen und so konnte ich immerhin herausfinden, was sie uns gesagt haben, aber geholfen hat das nicht. Erst eine ganze Weile später kam ein Mann, der Englisch verstanden und uns gesagt hat, dass ein Bus kommt. Mit dem waren wir dann innerhalb von 10 Minuten zurück (ich frage mich immer noch, wie das sein kann 😀 ). Ja, jetzt liegen wir im Bett und unser Abenteuerdurst ist für heute gestillt. Morgen, also Montag früh, müssen wir auschecken (nachdem wir noch einmal dieses herrliche Frühstück genossen haben) und dann geht es über Tel Aviv nach Mitzpe Ramon, in die Wüste. Bis bald 😀 . 

Wenn man auf einen Bus wartet, können auch schöne Bilder entstehen.

Living the good life

Es ist so schön in Haifa. Vielleicht auch, weil wir es das erste Mal ruhiger angehen lassen (zugegeben: es ist fast ein bisschen zu ruhig). Nach dem Frühstück haben wir uns gestern einfach nochmal hingelegt und weitergeschlafen, danach sind wir an den Strand gegangen und abends ein bisschen durch Haifas Stadt gezogen. Alles war voll von Menschen, die Tische und Stühle der Restaurants standen mitten auf den Straßen und an einer Kreuzung fand ein Konzert von einer Band statt, die richtig gute Stimmung gemacht hat. Das alles unter Palmen und bei Temperaturen, die man mit Glück tagsüber in Deutschland erlebt 😀 .

Die Band (keine Ahnung, worüber sie gesungen und gesprochen haben, aber es hat sich gut angehört 😬)

Heute haben wir einen zweiten Versuch bei den hängenden Gärten gestartet, den Baha’i Gardens. Mit langem Kleid und Tshirt drüber hat es dann auch geklappt (es war aber witzig zu beobachten, wie andere das „Problem“ lösen: ein asiatisches Pärchen hat sich damit geholfen, Taschentücher unter die Spaghettiträger zu stecken, damit die Schultern bedeckt sind – es hat tatsächlich funktioniert). 

Die Gärten kann man nur mit einer geführten (kostenlosen) Tour besuchen und ich bin ganz froh, dass wir einen Guide hatten – so haben wir eine ganze Menge über die Baha’i Religion erfahren. Es war wirklich spannend und die Gärten wunderschön. Am Anfang wurden alle wieder vor den 700 Treppen gewarnt, die man hinabsteigen wird. Entweder sind Karo und ich inzwischen so abgehärtet, oder es waren keine 700 Treppen. Jedenfalls war es abgesehen von der Hitze nicht sonderlich anstrengend 😀 . Ich kann jedem, der Urlaub machen und gleichzeitig abnehmen möchte eine Reise nach Israel wärmstens (im wahrsten Sinne des Wortes „wärmstens“) empfehlen. Ich bin noch nie zuvor so viel auf einer Reise gelaufen, wie hier. Aber es gibt auch einfach so viel zu sehen! 

Karo und ich in züchtiger Kleidung.

Cofix

Cofix verdient heute eine eigene Überschrift. Seit wir in Israel gelandet sind, sind wir immer wieder mal an kleinen Läden mit dem Namen „Cofix“ vorbeigelaufen. Sah für uns immer ein bisschen nach Starbucks aus, also sind wir nie rein (zu teuer), heute haben wir es dann aber doch mal getan, weil gefühlt jeder zweite Einheimische hier mit diesen Bechern rumläuft und die Inhalte so erfrischend aussehen. Und tadaa: eine riesen Auswahl und alles für 6 Schekel (umgerechnet 1,50€), da kann man nichts sagen. Zum Glück bleiben uns noch einige Tage hier 😀 .

Eiscafé und Cinnamon Roll


Wir haben Tiberias inzwischen hinter uns gelassen und sind im neuen Hostel (Port Inn) in Haifa angekommen. Ein 9-Bett-Zimmer, das Karo und ich alleine bewohnen — mit Balkon und einem leckeren Imbiss direkt gegenüber. Praktisch, wenn man um 1 Uhr nachts spontan noch da rüber laufen und sich was zum Essen kaufen kann 😀 . Luxus! Ansonsten ist heute nichts Spektakuläres passiert. Wir sind ein bisschen durch Haifa gelaufen, aber nur ein bisschen, haben die weitere Reise geplant und liegen jetzt im Bett, um uns auf einen schönen Strandtag morgen vorzubereiten. 

Eine witzige Sache muss ich noch erzählen. Ich habe ja im letzten Eintrag kurz den Typen erwähnt, der uns nachts im Zimmer in Tiberias geschimpft hatte, weil wir gelacht haben (wie schrecklich 😀 ). Seine genauen Worte waren gewesen: „Sorry guys, if you don’t want to sleep, please go outside.“ (versucht da mal, nicht erst recht zu lachen). Jedenfalls hat uns das noch länger verfolgt und ist zu einem Running Gag zwischen uns geworden. Gerade, als wir heute zurück ins Hostel gelaufen sind, hatten wir es wieder davon, und dann setzen wir uns in die Lobby und ratet, wer da sitzt: richtig, der Typ (ich weiß nicht, wie er heißt). Karo und ich kamen in die Lobby und haben „Hallo“ zu ihm und seinem Freund gesagt, und in der Sekunde, in der er zu sprechen anfing, sagte ich: „Moment mal, du warst doch der…“, ja, und so haben wir am Ende alle darüber gelacht und uns darüber gewundert, wie klein auch hier in Israel die Welt doch ist. 

Und zum Schluss ein süßes Katzenbild 😬

Haifa Haifa 

Ja, gestern war ich ein bisschen faul und habe auf einen Eintrag verzichtet. Der Tag war auch überwiegend unspektakulär, denn was anfangs nur eine Vorahnung war, wurde gestern zur Gewissheit: Tiberias hat nichts zu bieten. Nicht für uns jedenfalls. Nicht für junge AbenteurerInnen, die was erleben wollen. Immerhin wurden unsere Zimmermitbewohner cooler (nachdem wir die Nacht davor einen Anschiss kassiert hatten, weil wir ein bisschen gelacht haben): es kam ein weiterer Engländer (Luke) dazu, gegen den wir gestern noch Billard gespielt (und verloren) haben. Seine Worte: „You’ve let your country down.“ – tut uns leid, Deutschland. Aber es war ein langer Kampf und es sah lange Zeit so aus, als würden wir gewinnen, und die Tatsache, dass ich schon zeilenlang über ein BILLARDSPIEL berichte, zeugt davon, wie langweilig es hier ist. Ein kleines Abenteuer haben wir aber gewagt: wir sind mit dem Bus in eine andere Stadt am See Genezareth gefahren, Capernaum heißt die, weil man da wohl schön baden könne (ob es tatsächlich so ist, erfahrt ihr nur, wenn ihr bis zum Schluss dran bleibt 😀 ). Ja, vom Vorabend hatten wir noch Pizza übrig, man kann ja nicht immer Falafel und Humus essen, und so haben wir uns beinahe auf den kleinen Ausflug gefreut. In meinem Kopf sah der so aus: schön am See liegen, Pizza essen, entspannen. Die Realität sah dann so aus, dass wir die Pizza aus Versehen im Bus liegen gelassen haben (ist uns jetzt schon das zweite Mal passiert, das erste Mal mit Keksen). Wir wurden irgendwo im Nirgendwo ausgespuckt, nämlich hier: 


es war brütend heiß, wirklich brütend heiß, mein Bauch, der sich schon den ganzen Weg auf die Pizza gefreut hatte, hat mir mit lautem Grummeln seinen Unmut zu verstehen gegeben – ja, und dann mussten wir unter diesen Bedingungen noch eine gefühlte Ewigkeit weit laufen, um an einen Zugang zum See zu kommen. Und nichtmal der konnte uns letztendlich richtig abkühlen, weil er so warm war. Zum krönenden Abschluss kam – noch bevor wir die Flucht ergreifen konnten – eine riesige Schar Touristen aus einem Bus den Weg zum Ufer herunterspaziert und bald schon war kein Fleck mehr menschenfrei. So kann es gehen. Mir fällt gerade auch auf, dass ich immer noch kein richtiges Bild vom See Genezareth gemacht habe, ich habe nur eins von der Bushaltestelle in Capernaum aus zu bieten: 

See Genezareth 😬


So, kommen wir zum heutigen Tag, der war weitaus cooler (leider nicht kühler). Wir sind zusammen mit Luke nach Haifa gefahren; hat mit dem Bus von Tiberias aus etwa eine Stunde gedauert. Zuerst wollten wir dort die Baha’i Gärten sehen (ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe), aber noch bevor sich deren Tore geöffnet haben, wurde uns auf einem Schild erklärt, dass wir uns züchtig zu kleiden hätten, da die Gärten heilig sind. Karo und ich waren mit unseren Shorts und Tops mehr als unanständig gekleidet und selbst Lukes Hosen gingen nicht bis zu den Knien, außerdem hatten wir Hunger (ein allgegenwärtiges Problem), also sind wir drei Meilen (ja, drei Meilen und gefühlte 100) bei unbeschreiblicher Hitze durch Haifa gelaufen, bis wir endlich den Strand erreicht haben. Der hat sich dann aber sowas von gelohnt: keine Quallen, schönes Meer, und aus den Lautsprechern dröhnte Ed Sheeran – was will man mehr 😀 . Es hat uns dort so gut gefallen, dass Karo und ich morgen dorthin zurückfahren und fürs erste bis Freitag da bleiben. Bisschen relaxen. Darf ja auch mal sein. Gute Nacht vom immer noch wackligen Hochbett aus. 

Blick auf Baha’i Garden (und der Hafen Haifa’s)

Tiberias (See Genezareth) 

Heute darf ich euch von einem wackligen Hochbett in Tiberias aus schreiben (ich durfte als Kind nie in Hochbetten schlafen, und jetzt, wo ich es darf, hab ich keine Lust mehr drauf 😀 ). Wir sind nach gut zweieinhalb Stunden Busfahrt in glühender Hitze am See Genezareth angekommen und haben glücklicherweise auch gleich das Hostel – Tiberias Hostel – gefunden (habe ich eigentlich erzählt, dass wir in Jerusalem als erstes eine Passantin gefragt hatten, wie wir zu unserem Hostel kommen, und sie gesagt hat: „ja, ähm, hm, da müsst ihr einen Zug nehmen, …“ und als wir ein paar Schritte weitergelaufen sind war es gleich um die Ecke 😀 ? Das war witzig). 

Ja, der Empfang war nett, wir haben Wassereis angeboten bekommen (für Eis bin ich immer zu haben, auch wenn das heute eher eine Enttäuschung war) und konnten gleich aufs Zimmer. Da haben wir an der Wand neben dem Bett eine kleine, aber gut besuchte Ameisenstraße entdeckt. Dank Karos Käferphobie verliert Karo in solchen Situationen jegliche Hemmungen und so hat sie unseren Zimmermitbewohner einfach gefragt, ob er nicht dort schlafen kann – hat er dann auch gemacht, sehr freundlich. Jetzt schlafen wir also an einer (hoffentlich) käferfreien Wand. 

Beim ersten Spaziergang kam mir Tiberias total unattraktiv vor. Hier stehen riesige Hotelbauten und das Ufer am See ist zugemüllt (traurig, aber wahr – selbst an einem so besonderen See wie dem See Genezareth). Die Straßen waren wie leer gefegt und die Sonne hat geknallt ohne Ende. Ziemlich ernüchternd für den Anfang, vor allem, wenn man aus Jerusalem kommt. Abends sind wir dann aber nochmal raus, und auf einmal war alles viel belebter, wir haben sogar einen Markt und eine große Einkaufsstraße entdeckt, und am Ufer stieg irgendeine Art von Rummel. Das komplette Gegenteil zum Nachmittag. Vielleicht sind die Menschen auch einfach schlau und warten, bis die Sonne weg ist, ehe sie aus ihren Verstecken kommen. Und zumindest einer unserer Zimmermitbewohner, ein Engländer (irgendwie viele Engländer in Israel unterwegs), ist richtig sympathisch und nett (ich meine nicht den, der jetzt bei den Käfern schläft). Es ist überhaupt cool, dass man sich so viel auf Englisch unterhalten kann, denn das Hebräische frustriert hier doch ein wenig. Im Bus mussten wir jemanden fragen, wie „Tiberias“ in hebräischer Schrift aussieht, weil die Anzeigen im Bus nur auf Hebräisch waren. Und überhaupt: man kann die Sprache nichtmal lesen, einfach rein gar nichts davon entziffern, und das macht einen doch sehr hilflos (auch wenn die Menschen hier alle jederzeit gerne helfen).

Alles in allem wünschte ich gerade trotzdem, wir wären noch oder wieder in Jerusalem. Es ist sooooooo cool da (hab ich schon erwähnt, oder?). Ja, ich gehe jetzt schlafen, und vielleicht träume ich immerhin davon. 

Der See Genezareth 😬 (ein Bild bei Tag folgt demnächst, vielleicht)


PS: jetzt habe ich immer noch nicht von Mr. Fluffy aus dem letzten Hostel erzählt. Mr. Fluffy sieht so aus: 

Mr. Fluffy


An Mr. Fluffy hängt der Schlüssel für den Gepäck-Aufbewahrungsraum. Als wir am Sonntag beim Check-Out unser Gepäck und damit Mr. Fluffy geholt haben, kam ein asiatisch aussehender Typ in den Raum und wollte sein Gepäck abstellen, und ich habe ihm gesagt, er soll Mr. Fluffy zurück an die Rezeption bringen, wenn er fertig ist. Sein Blick war unbezahlbar 😀 (Mr. Fluffy, wer ist Mr. Fluffy?). 

Also, gute Nacht. 

Jerusalem bei Nacht 

Nach dem Frühstück sind Karo und ich gestern nochmal in die Old City gelaufen (Frühstück sieht hier übrigens in etwa immer so aus:)


Wir wollten die Via Dolorosa laufen, also den Leidensweg Jesu. Es sind insgesamt 14 Kreuzwegstationen, die man dabei passiert. Tatsächlich habe ich es mir irgendwie anders vorgestellt – ruhiger, intensiver von den Gefühlen her, die einen dabei begleiten. Die Straßen waren aber so überfüllt von Menschen, Marktständen und Ähnlichem, dass ich mich nicht recht auf die eigentliche Bedeutung des Weges konzentrieren konnte. Die Via Dolorosa endet in der Grabeskirche – die letzten Stationen befinden sich in ihr. Nachdem wir sie beendet hatten, haben wir uns auf eine Bank gesetzt und ich ein wenig in meinem Reiseführer geblättert („Lonely Planet Israel“, erhältlich hier), als plötzlich ein Mann vor uns stand, der uns unbedingt etwas zeigen wollte. Wir also hinterher, er meinte es ja nett, und als wir vor einem kleinen Höhleneingang standen, bedeutete er uns, hineinzugehen. Das sei das heilige Grab von Jakob, und das an der Wand (die feucht war) sei heiliges Öl, wir sollen es berühren, damit unsere Stirn und unserer beider Hände berühren und das Kreuz machen. „Wisst ihr, wie man das Vater Unser betet?“, fragte er dann und anschließend: „Schließt eure Augen und betet es.“ 

Ja, das war dann ein bisschen zu komisch in dem Moment, Karo und ich konnten uns gerade noch so zusammenreißen, nicht laut zu lachen. Die Situation war einfach zu seltsam. Trotzdem haben wir brav die Augen geschlossen, innerlich aber wie ein Mantra vor uns hergesagt: nicht lachen, nicht lachen, nicht lachen. 

Als wir die Höhle dann wieder verlassen haben, sollten wir uns noch einmal an den Händen fassen, die Augen schließen und an Jesus denken – okay. Bei einer Reise nach Jerusalem (hihi, Reise nach Jerusalem) kommt man nicht umhin, an Jesus zu denken, aber auf Kommando und unter den Bedingungen – ihr wisst schon. Wir haben uns dann ziemlich schnell (so schnell man jemanden halt abwimmeln kann) verabschiedet, und haben uns noch ein bisschen auf den Märkten umgesehen. Beinahe an jedem Stand wird man hier angesprochen („Where are you from? – Ahh, Germany, guten Tag, wie geht’s?“), aber alle meinen es aufrichtig freundlich und fast jeder zweite hat eine Geschichte auf Lager, wann und wo er sich mal in Deutschland aufgehalten hat. 

Hier ist man nie lange alleine, überall wird einem ein Lächeln geschenkt, es ist wirklich schön. Vor einigen Tagen waren Karo und ich auf dem Weg zum Supermarkt, als ich von einem Mann angesprochen wurde, was denn so in meiner Tasche klappern würde (es waren meine Kaugummis, die bei jedem Schritt ein Geräusch gemacht haben). Man kam ins Gespräch, er war aus Australien und in einem anderen Hostel untergebracht, und schließlich haben wir Nummern ausgetauscht und uns gestern Abend dann zu einem Spaziergang getroffen. Er hatte die Idee, den Ölberg hochzulaufen, was wir dann auch gemacht haben (wenn meine Beine sprechen könnten, sie würden mir sagen, wie sehr sie mich hassen 😀 ). Es hat sich gelohnt: allein schon der Weg dorthin – es wurde ja gerade dunkel – war schön. Jerusalem unter Vollmond und von Lichtern erhellt. 



Auf dem Weg den Ölberg hoch haben wir dann noch ein Kamel und eine süße Katze gesehen (in Jerusalem gibt es SO viele Katzen): 


Auf dem Rückweg hat uns Manuel dann eine Unterführung gezeigt, an der wir bisher jedes Mal blind vorbeigelaufen sind. Diese Unterführung ist von der Altstadt oben nicht zu sehen, und wenn man sie betritt, ist es, als tauche man in eine völlig andere Welt ein: eine große Einkaufspassage mit all den Läden, die man auch in Amerika und Co. findet. 



Es war trotz des vielen Laufens ein schöner Abend. Karo und ich haben uns dann verabschiedet und den restlichen Abend im Hostel verbracht. In dem Hostel arbeiten viele Freiwillige aus allen Ländern, so zum Beispiel Nate, der uns gestern noch coole Kartentricks gezeigt hat, und ein anderer (ups, Name vergessen) aus Südafrika, der sich öfter zu uns gesellt hat. Ein paar Locals (also Leute, die hier wohnen aber einfach aus Spaß hier ins Hostel kommen), haben auf der Gitarre gespielt und gesungen und es war richtig schön. 

Jetzt ist Sonntag, und das bedeutet wir packen gleich unsere Sachen und ziehen weiter, nach Tiberias am See Genezareth. Das erwartet uns dort: 


Ich fühle mich irgendwie richtig traurig, Jerusalem zu verlassen. Die Stadt ist mir so ans Herz gewachsen, dass ich am liebsten den restlichen Monat hier verbringen würde. Am Anfang, wenn man in eine neue Stadt und ein neues Hostel kommt, ist man oft erstmal etwas überfordert, fühlt sich fremd, alles ist neu; aber dann taucht man ein in diese neue Welt und wird ein Teil von ihr, und bei Jerusalem ist dieses Gefühl ganz besonders stark. Es ist die erste Stadt, die ich wirklich gerne nochmal besuchen würde, obwohl ich eigentlich lieber immer Neues entdecken will, statt Altes nochmal zu sehen. Deshalb hoffe ich, dass es nicht das letzte Mal war, dass ich mit leckerer, selbstgemachter Limonade durch die Old City laufe, diesen vielen netten Menschen begegne und die ganz besondere Atmosphäre erleben darf. 

Shalom

Der Beitrag heute wird kurz, es ist nämlich nichts passiert. Außer, dass wir ausgecheckt haben, um vier Stunden in einem anderen Zimmer wieder einzuchecken und zum dritten Mal infolge Spaghetti gegessen haben (schmecken hier nicht anders als in Deutschland 😀 ). Ich habe einen Mörder-Muskelkater in den Waden und man kommt auf jedem trubeligen Jerusalem-Markt schneller voran, als wenn man hinter mir herläuft. 

Heute Abend haben wir allerdings im Hostel am Shabbat Dinner teilgenommen. Während tagsüber noch alle ganz geschäftig sind, wird es gegen Abend totenstill in Jerusalem. Alle sind zuhause bei Familie und Freunden, um Shabbat zu feiern. Ich weiß nicht mehr, wie viel Uhr es war, aber irgendwann Abends ertönte dann das lang geblasene Horn, das durch die ganze Stadt hallt und den Beginn des Festes ankündigt. Nach einigen Gebeten gab es dann das abwechslungsreichste Essen, das ich seit Reisebeginn hier hatte 😀 . 

(Ich wollte euch an dieser Stelle ein Bild vom Essen zeigen, aber es will gerade nicht hochladen – wird vielleicht von den Schnarchwellen, die unser Zimmermitbewohner hier gerade sendet, blockiert). 

Wir haben von einem 4er- in ein 8er-Zimmer gewechselt, um Geld zu sparen. Es stellte sich heraus, dass wir – obwohl es jetzt viel mehr Leute sind – in einem Seniorenheim gelandet sind. Hier gehen alle schon um 22 Uhr schlafen und Karo und ich mussten gerade richtig leise sein, als wir um 1 Uhr nachts zurück ins Zimmer kamen. So kann es gehen. Im Hostel in Tel Aviv waren alle bis spät in die Nacht Party machen, da war es ganz egal, wann man zurück kam, aber ist ja kein Problem, Hauptsache, wir haben ein – ich wollte gerade schreiben: „Bett über dem Kopf“ 😀 . 

Hab ich eigentlich schon von Mr. Fluffy erzählt? Nein, habe ich nicht, aber weil meine Bilder nicht hochladen wollen, werde ich euch morgen von ihm berichten. Ich gehe jetzt schlafen und hoffe, dass mein Muskelkater morgen früh verschwunden ist (übrigens kein Wunder, meine Schrittzähler-App hat 19,9 km und 30.207 Schritte für den gestrigen Tag gezählt). 

Masada/Ein Gedi/Totes Meer/Lichtfestival

Ich kann nicht in Worte fassen, was wir an diesem einen heutigen Tag, an einem einzigen Morgen, alles erlebt haben. Um 3 Uhr nachts (wie ich in solchen Momenten immer den Wecker verfluche, ich meine, 2:15 Uhr, wer tut so etwas?!) wurden wir, eine kleine Gruppe von abenteuerlustigen Reisenden, im Hostel abgeholt, um zum Masada zu fahren (Danke an dieser Stelle an denjenigen, der meinte, mitten in der Nacht ein Ei im Bus essen zu müssen). Es war etwa 4:30 Uhr, als wir am Fuß dieses massiven Berges standen und zum Glück war es dunkel (der Himmel war die einzige Lichtquelle), denn andernfalls wären wir uns gleich zu Beginn dem vollen Ausmaß dieses Aufstiegs bewusst gewesen. Ich kann es nicht anders beschreiben als das anstrengendste, was ich in meinem 25-jährigen Dasein auf der Erde bisher getan habe. Eine Stunde haben wir ungefähr gebraucht, um die steilen Treppen, diesen steilen Berg zu bezwingen. Es gab durchaus Momente, in denen ich dachte: ich schaffe das nicht, ich will zurück ins Bett (mein Körper muss sich auch gefragt haben, was los ist, immerhin wurde er mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen und plötzlich dazu genötigt, zu unmenschlicher Zeit sportliche Höchstleistungen zu vollbringen). Das Beeindruckende ist, dass man es am Ende dann doch irgendwie schafft – Bilder sagen mehr als tausend Worte: 

Das erste, was Karo und ich gemacht haben, als wir oben ankamen.

Masada Sunrise



[Auf dem Berg wurde unter König Herodes einst eine Festung errichtet. Die Juden schützten sich dort oben vor den Römern, und als diese schließlich doch mit ihren Heeren antraten, die Juden zu bezwingen, haben diese sich aus Angst und aus Widerwillen als Sklaven für die Römer zu enden, allesamt umgebracht. Erst wurden die Frauen und Kinder getötet, anschließend begingen die Männer Suizid. Den Römern bot sich also ein überraschender Anblick, als sie den Berg erklommen hatten und alle bereits tot waren – Masada ist damit unter anderem ein großes Symbol für die Freiheit und hat für Juden eine große Bedeutung]
Auf Masada sieht man bis heute die Ruinen dieser Festung und der Berg ist vor allem bekannt für seinen unglaublich schönen Sonnenaufgang. 2001 wurde Masada zum Weltkulturerbe ernannt. Der Sonnenaufgang war wirklich schön. Überall verstreut befanden sich Menschengruppen, es wurde gebetet und gesungen, eine magische Atmosphäre. Es war den Aufstieg allemal wert (nochmal würde ich es jedoch nicht machen 😀 ). 

Der Abstieg war dann beinahe genauso schmerzhaft. Unsere Beine haben so gezittert von all der Anstrengung zuvor und dem Bergab-Gehen danach, hätte der Tourbus nicht auf uns gewartet, ich hätte mich einfach irgendwo hingelegt. 

Während Karo immerhin noch für ein Foto posen konnte, war ich schon am Ende 😬


Nach Masada ging es dann weiter zu En Gedi, ein Nationalpark, wo uns nochmal einige steile Treppen erwartet haben (wenn sogar die Kraft zum Jammern fehlt, weiß man, man hat sein Limit erreicht 😀 ), aber auch ein Wasserfall, unter dem wir uns abkühlen konnten. Man muss dazu sagen, dass selbst Masada um 8 Uhr morgens schon so heiß war wie Jerusalem am Mittag. 


Zu guter Letzt ging es zum tiefsten Punkt der Erde – ans Tote Meer, und obwohl es unglaublich heiß war (so heiß, dass man sich barfuß die Füße im Sand verbrannt hat), war es doch ein großes Highlight. Bis zum heutigen Tag konnte ich mir nie so recht vorstellen wie es ist, im Wasser zu treiben, ohne unterzugehen. Es ist das witzigste Gefühl überhaupt, die Beine werden ständig nach oben gezogen, wie von einer unsichtbaren Kraft. SO COOL. 

Spiel und Spaß im Toten Meer

Schlammkur für samtweiche Haut und einen guten Teint 😬


Als wir um 13 Uhr etwa wieder am Hostel waren, haben Karo und ich uns erstmal ins Bett gelegt und für die nächsten Stunden geschlafen, denn abends wollten wir unbedingt noch zu dem Lichtfestival in Jerusalem. Es findet jedes Jahr im Juli statt und es ist für mich auf jeden Fall DER Grund, trotz Hitze hierher zu kommen – es war so beeindruckend (mir gehen für Israel langsam die Adjektive aus 😀 ). Wir haben uns mit Daniel verabredet, einem gebürtigen Israeli, der selber noch nicht bei der Lichtshow war und er war auch ganz begeistert. Wir hatten den ganzen Abend über so viel Spaß, und ich habe einmal mehr gedacht wie schön es ist, dass man mit eigentlich fremden Leuten denselben Humor und tolle Stunden teilen kann. 

Bei der Lichtshow läuft man durch die ganze Old City (ich habe sie im Dunkeln kaum wiedererkannt) und an die Mauern werden faszinierende Lichtbilder projiziert, die ganze Geschichten erzählen – untermalt von Musik. Überall in den Gassen sind Straßenmusiker, Lichtdarstellungen und Stände, es war einfach cool. An alle, die die Möglichkeit dazu haben: besucht Jerusalem. Reist nach Israel. Das Land hat sooo viel zu bieten! 

Von links: Nadine, Daniel, Karo, Oliver

The Old City

Heute haben wir uns nach dem Frühstück zusammen mit Ryan, der am Tag zuvor eine Tour mitgemacht und für heute dann unser Tourguide war, auf den Weg in die Old City gemacht. Direkt hinter unserem Hostel befindet sich eine große Straße, auf der auch die Tram verkehrt, und alles, was man tun muss um in die Old City zu gelangen ist, dieser Straße zu folgen. Es geht gemütlich bergab (und am Heimweg beschwerlich bergauf) und in null Komma nichts sieht man die Mauern, die die alte Stadt eingrenzen. In null Komma nichts ist man dann auch schon mittendrin in den Gassen, in denen sich Marktstände und Wohnungen aneinanderreihen, an den Ecken befinden sich große Felsauftürmungen, damit nicht dorthin gepinkelt werden kann (ziemlich clever, finde ich), sieht so aus: 


und die Menschen laufen geschäftig umher (bis auf die Touristen – die bleiben natürlich überall stehen und machen Fotos). Ich habe heute, außer von einem kleinen Aussichtspunkt, kein einziges Foto gemacht (obiges habe ich mir von Karo geklaut), weil ich mich allein auf die Stadt konzentrieren und sie erleben wollte. Ständig überkam mich ein leichtes Schaudern, eine Gänsehaut trotz der großen Hitze. Man ist sich der historischen und religiösen Bedeutung einfach bei jedem Schritt bewusst. Vor der Klagemauer zu stehen und die vielen betenden Menschen sowie die in jede Ritze gesteckten Zettel zu sehen, war eine Erfahrung, wie ich sie so noch nicht gemacht habe. Die Grabeskirche war dagegen so überfüllt mit Touristen, dass es schwer war, sich auf sich selbst und auf die Bedeutung dieses Ortes zu konzentrieren. Es war heute aber sicher nicht das letzte Mal, das wir dort waren – wir haben unseren Aufenthalt bis Sonntag verlängert. 

Eigentlich wollten wir heute die Lichtshow in Jerusalem sehen, abe ich versuche lieber früh zu schlafen, weil wir heute Nacht um 3 Uhr abgeholt werden: es geht zum Masada, genauer gesagt zum Masada Sonnenaufgang und anschließend ans Tote Meer (uns wurde schon an unserem ersten Tag in Israel die Warnung ausgesprochen, sich vor dem Toten Meer nicht zu rasieren, weil es sonst brennt wie Feuer – zum Glück haben wir daran gedacht 😀 ). Au revoir (ich kann außer „Danke“ leider immer noch kein Hebräisch. Im Supermarkt muss ich immer ständig fremde Leute ansprechen und sie bitten, mir zu übersetzen, was auf den Packungen steht 😀 ). 

Blick auf den Felsendom und die Klagemauer