64 Tage noch..

Ich muss sagen, je näher der 7. Mai heranrückt, desto öfter habe ich Gefühlsschwankungen, was mein Au Pair Jahr betrifft. Von einer Sekunde auf die andere denke ich, dass das alles eine komplett verrückte Idee ist, eine Idee, die lieber eine solche bleiben und nicht Wirklichkeit werden soll. Wenn ich abends im Bett liege, denke ich, dass nichts in den USA so sein wird wie hier, dass mein Bett anders riechen wird, dass sich die Decke anders anfühlen wird und – vor allem- mein Freund nicht neben mir liegen wird, an den ich mich hinkuscheln kann. Wenn ich tagsüber durch Ravensburg laufe, denke ich, dass keine Stadt so schön ist wie sie, dass ich mich in keiner Stadt so zuhause fühle wie hier und dass ich doch eigentlich gar nicht weg will. Dass sich alles verändert, solange ich weg bin, und ich wichtige Personen verlieren könnte. Manch einer sagte schon: „Wenn du während dem Jahr Personen, die dir eigentlich wichtig sind, verlierst, dann waren sie es auch nicht wert“, aber es geht doch ums Prinzip- nämlich darum, dass man sie verloren hat, was auch immer es einem letztendlich „zeigen“ oder „beweisen“ soll. Es geht um das Prinzip, dass ich sie nicht verlieren will. Ich hoffe so sehr, dass die Menschen, die ich am meisten liebe, nach den 12 Monaten am Flughafen stehen und sich freuen werden, dass ich wieder da bin.. und mir das Gefühl geben,  dass man sich vielleicht als Person verändert hat, die Beziehung zueinander aber gleich geblieben ist. Ich kann mich noch so oft alleine und unsicher fühlen, die Zeit hört nicht auf zu laufen. Aus einstigen 130 Tagen ( oder wann auch immer ich angefangen habe, die Tage zu zählen), wurden 63, und die Zeit läuft weiter. Irgendwann kommt der Tag, an dem ich gehen muss, an dem ich all das hier zurücklasse, um auf einem anderen Kontinent ein völlig neues Leben zu beginnen. Und dann denke ich an all das, was ich aus dem Jahr machen kann, an all die Menschen, die ich kennenlernen kann, an all die Orte, die ich sehen kann, an all die Klamotten, die ich kaufen kann, an New York, ans Meer, an Washington DC ( wo dieses Jahr die Präsidentschaftswahlen stattfinden werden), an meine Gastkinder Blake und Hay Hay, an meine Gasteltern Jennie und Rob und auch an meine beste Freundin Julia, die ich nach drei Monaten wiedersehen werde- und dann denke ich: vielleicht wird das Jahr doch nicht ganz schlecht. Vielleicht verändert sich mein negatives Gefühl, wenn ich erstmal da bin. Es wird Momente geben, in denen ich mein zuhause und meine Familie vermisse, mein über alles geliebtes Baby (= meinen Freund) vermisse, aber es wird auch der Tag kommen, an dem ich wieder zurück bin. Und dann lass ich euch NIE WIEDER zurück.

Ich wollte euch an meinen Gedanken teilhaben lassen, weil ich zurzeit oft einfach losheulen und alles hinschmeißen könnte. Weil ich nicht mehr nachvollziehen kann, wie ich mich dazu entschließen konnte, von hier wegzugehen. Aber es gibt einen Grund: es war und ist mein Traum. Und anders als bei Träumen während dem Schlafen, wo man am nächsten Morgen aufwacht und feststellt, dass alles beim Alten ist, habe ich die Möglichkeit, diesen Traum wahrwerden zu lassen. Vielleicht ist das auch der Grund für das Gefühlschaos, das man als Au Pair durchlebt- man wacht nicht morgens in gewohnter Umgebung auf, sondern ist mittendrin. Und das für ein ganzes Jahr. Man weiß nicht, was auf einen zukommt, und wenn es mal schlecht laufen sollte, kann man nicht einfach sagen „zum Glück war alles nur ein Traum“- denn es ist die Wirklichkeit. Ist es also die Angst, dass ein wahrgewordener Traum vielleicht doch nicht das sein könnte, was man sich vorgestellt hat?

Das jedenfalls waren meine Worte zum Sonntag. Ich hätte auch einfach in zwei, drei Sätzen schreiben können: Mir ist nach Heulen zumute. Für alle, die keine Lust haben, meinen Text zu lesen, reichen auch diese 5 Worte. Da dieser Hinweis jetzt aber am Ende des Textes steht, ist es wahrscheinlich eh schon zu spät, und ihr seid durch meine depressiven Zeilen gerutscht. Tut mir Leid, aber ich hab euch ja gewarnt ( ihr wisst schon, positive und negative Erfahrungsberichte). In ein paar Tagen sieht die Welt vielleicht schon wieder ganz anders aus.

Ein Gedanke zu “64 Tage noch..

  1. Hey Nadine,
    ich habe dieses Gefühlschaos gerade auch. Ich möchte im Februar ausreisen und bin gerade hin und her gerissen ob ich es machen soll oder nicht. bin nämlich noch in der BewerbungsPhase. habe vor Ca. 3 Wochen meine Bewerbung an aifs abgeschickt..
    vll hilft mir da dein block über die Zweifel hinweg zu kommen… aber ich denke die Zweifel verschwinden nie…
    ich liebe deinen blog… vor allem deinen schreibStil… bin gespannt auf die weiteren einträge die ich noch vor mir habe.. ich habe dich schon längere Zeit auf meinem blog verlinkt… jetzt komme ich endlich mal dazu deinen blog auch mal zu lesen…
    ich liebe es dass du jeden Tag was schreibst… mach weiter so…
    Tina

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