Tag 25:

Das war dann wohl einer der heftigsten Tage, seit ich hier bin. ( Mit so einem Satz muss man als Kreativ- Schreibling (😀 ) anfangen, wenn man bei den Lesern Spannung aufbauen will). Als ich heute Morgen angefangen habe zu „arbeiten“, wusste ich ja noch nicht, was auf mich zukommen würde. Dinge, die alles aus dem Plan werfen. Dinge, die die Welt erschüttern. Zumindest die Welt eines kleinen Jungen- und auch meine. Mein Morgen hat ehrlich gesagt schon nicht so gut angefangen. Irgendwie lief’s einfach nicht. Ich hatte von 9:30- 10:30 Uhr dann kurz Pause um mich schön auszuheulen und dann ging’s weiter, Augen zu und durch. Hab mir dann gedacht ich fahr mit den Kindern nach Blake’s letztem Schultag heute zum Spielplatz, hab Sandwiches zum Mitnehmen gemacht und los ging’s. Und kaum waren wir so wirklich da ( wir saßen gerade auf der Bank und Blake ist schon mal los zum Spielen) fängt Blake lauthals an zu weinen und hält seinen Arm. Eine Nanny und Freundin meiner Gastmama, die auch da war, hat dann sofort ausgerufen: „Oh mein Gott, ich glaube es ist gebrochen!“ und ich wusste erstmal gar nicht mehr, was da gerade vor sich geht. Blake kam auf mich zu und ich hab immer wieder gefragt was los ist, aber er hat nur geweint und gesagt, dass es so sehr weh tut. Ein Blick auf sein Handgelenk und mir war gleich klar, dass die Nanny Recht hatte: definitiv gebrochen. Also hab ich panisch meine Gastmutter angerufen und ihr die Situation erklärt. Sie ist wirklich erstaunlich ruhig geblieben und hat gemeint, ich soll zum Krankenhaus fahren und da auf Rob treffen. Gesagt getan. Blake lag solang die ganze Zeit auf meinem Schoß und wir haben seine Hand mit einem Subway- Getränkebecher gekühlt. Ich hab ihn dann bis zum Auto getragen ( ich hätt nicht gedacht, dass 5-jährige schon so schwer sind) und bin – so schnell es die Geschwindigkeitsbegrenzungen hier erlauben- zum Krankenhaus gefahren. Da hab ich Blake mehr oder weniger abgeliefert und bin mit Hayden nach Hause, weil sie Mittagschlaf machen musste. Ich hab die ganze Zeit gegessen, erst Marmeladencroissants, dann Marmeladentoast, dann Müsli, dann Käsecracker, dann andere Käsecracker etc pp.😀 Es war einfach kein schönes Gefühl, ich hatte irgendwie so ein schlechtes Gewissen, obwohl das immer mal passieren kann, dass ein Kind sich wehtut. Selbst wenn ich in dem Moment hingeschaut hätte, hätt ich ihn nicht in den paar Sekunden vor dem Aufprall auffangen können. Jedenfalls ist er jetzt wieder daheim und bekommt nächste Woche hoffentlich einen wasserfesten Gips, damit er trotzdem in den Pool kann. Er hat seinen Eltern anscheinend erzählt, dass ich ihn getragen hab und er auf meinem Schoß lag, was ich gut finde, weil das bedeutet, dass er es richtig wahrgenommen hat. Ich hab nämlich das Gefühl, dass es sehr schwer wird, ein richtiges Verhältnis zu ihm aufzubauen.. ich hab ihm immer wieder gesagt, dass er der mutigste Superheld ist, den ich je gesehen habe. Und vorhin hat er nach nem Snack gefragt, also ich glaube, es geht ihm wieder besser.

Jetzt aber Schluss mit dem Ernst des Lebens. Wisst ihr was ich krass finde? Ich seh schon eindeutige Fortschritte an mir selbst, sowas wie seelische Entwicklungen oder so, und das bereits nach nur drei Wochen USA. Ist mir heute Morgen aufgefallen, als ich mit dem Hund Gassi gegangen bin. Früher in Deutschland hätt ich mir nämlich niemals vorstellen können, Hundehaufen mit diesen Tüten aufzuheben. Jedes Mal, wenn der Hund von meinem Onkel da war und ich mit ihm Gassi gegangen mit ( mit dem Hund), hab ich’s einfach liegen gelassen so nach dem Motto: ich hab nichts gesehen. Sogar wenn’s mitten vor der Bäckerei war😀 ( ich geb zu es ist eklig, aber Hundehaufen aufheben ist noch ekliger). Hier geht das allerdings nicht.. die Rasen hier sind so knallgrün und sauber, da würd man einen Hundehaufen schon aus 20 Metern Entfernung sehen. Und inzwischen hab ich’s schon einige Male gemacht, eigentlich jeden Morgen und ich fühl mich, als hätt ich einen inneren Schweinehund überwunden. Genauso wie mit dem Windeln wechseln. Ich denk aber es ist immer was anderes, wenn es das eigene Kind oder der eigene Hund ist. Da hat man mütterliche Gefühle für das Kind/ den Hund und es macht einem nichts aus, mit Exkrementen jeder Art auf Tuchfühlung zu gehen.😀 ( Das ist jetzt nur eine Theorie, wie es wirklich ist, kann ich erst in ein paar Jahren sagen- oder auch nicht).

Wisst ihr was ich auch krass finde? In meinem letzten Blogeintrag ( Tag 24) hab ich gesagt ihr sollt mich dran erinnern von dem Mädchen mit den imaginären Freunden zu erzählen und NIEMAND HAT MICH DRAN ERINNERT. Okay, das find ich jetzt nicht so krass, aber ich find’s krass, dass ich mich selber dran erinnere. Also: vorgestern bin ich wieder mit Hayden in die Schule von Blake rein, um da auf ihn zu warten und dann saß da dieses Mädchen, 4 Jahre alt. Sie hat die ganze Zeit um sich geschaut und immer gesagt: „Smork, where are you?“ ( = Smork, wo bist du?) und ich hab mich ebenfalls umgeschaut und meine Blicke durch sämtliche Ecken des Raumes schweifen lassen, um zu sehen, wer Smork ist. Bis mir eine der Lehrerinnen gesagt hat, dass das Mädchen viele viele imaginäre Freunde hat. Okaay. Hab dann einfach mal ein bisschen nachgefragt und sie hat mir erzählt, dass Smork 6 Jahre alt ist und sie immer zur Schule begleitet und dann gibt es noch Mr. Nobody, der schon älter ist und und und. Unheimlich ehrlich. Irgendwie hat sie mir auch ein bisschen Leid getan, weil sie mit Sicherheit früher oder später von anderen deswegen aufgezogen wird, aber ich sag’s niemandem weiter. Ich verschließe meinen Mund und schmeiß den Schlüssel weg.

Morgen ist übrigens „Internationaler Donut- Tag“. Ihr wisst was das bedeutet. Bei Dunkin Donuts gibt’s jedenfalls zu jedem Donut einen Donut gratis dazu ( oder so), wo ich morgen nach Feierabend abgesehen vom Kino sein werde, dürfte also wohl klar sein😀 Übrigens hab ich gerade wieder Hayden oben gehört wie sie gefragt hat: „Where did Nadine go?“ ( = Wo ist Nadine hingegangen?)- das frägt sie JEDEN Abend und manchmal auch morgens.😀

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PS: soeben ist etwas schreckliches passiert.

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MEINE SOUR PATCH KIDS SIND LEER!!

6 Gedanken zu “Tag 25:

  1. “ aber ich sag’s niemandem weiter. Ich verschließe meinen Mund und schmeiß den Schlüssel weg.“ – haha nur deinen 1000 Bloglesern😀 Ach, bleibt ja unter uns!
    Hat er denn jetzt nen wasserfesten Gips bekommen?🙂 Gute Besserung an deinen Krümel!

  2. Hi, ich lese dein Block sehr gerne und find ihn echt gut.
    Am Montag gehts auch für mich los nach New York und ich muss gestehen, dass du mir mit dem gebrochen Arm echt Angst gemacht hast. Hab vor ein paar Wochen nämlich so was Ähnliches erlebt, meine Nichte, fing auch an zu schreien. Sie hatte sich den Ellbogen gebrochen und musste operiert werden (sie ist aber schon 10) naja, was ich eigentlich sagen will, vor ein paar Tagen habe ich mich gefragt, was ich machen würde, wenn mir das mit meinen Gastkindern passiert. Oh Gott, ich habe keine Ahnung. Aber du hast ja wahrscheinlich alles richtig gemacht.
    Also wie gesagt, du hast mir echt einen Schrecken eingejagt, als du das geschrieben hast. Aber wir hoffen mal das Beste, meine Kinder sind ja auch schon etwas älter.
    Aber ich wünsch dem kleinen alles Gute.

    1. Mich hat’s auch mega erschrocken und ich hab mir solche Vorwürfe gemacht, aber im Endeffekt kann man sowas nicht verhindern, auch wenn man danebensteht. Die Reaktionszeit ist einfach zu lange, als dass man schnell seine Arme ausstrecken und das Kind auffangen könnte.. er muss den Gips jetzt zwei Monate tragen und das mitten in den Sommerferien.. ist schon schade, aber manchmal müssen solche Sachen einfach passieren.

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