Tag 223: Welcome to the 19th Century

Wow, wie kann man einen solchen Tag mit so vielen Eindrücken in einem unlangweiligen Blogeintrag zusammenfassen? Und das auch noch dann, wenn man gerade sehnsüchtig darauf wartet, dass die bestellte Pizza geliefert wird😀. Heute Morgen ging’s auf nach Pennsylvania, mit Arizona Eistee für 99ct, Bagel, Muffins und Chips. Wir sind ca. zweidreiviertel Stunden gefahren, bzw. Karo ist gefahren, aber was sind schon zweidreiviertel Stunden mit Karo und Finn. Richtig- nichts. Geht vorbei wie im Flug ( auch wenn wir in der Vergangenheit bereits gelernt haben, dass Flüge nicht unbedingt immer schnell vorbeigehen).

Okay, eine kurze Bemerkung: wisst ihr was ein großer Fehler ist? Wenn man anfängt seinen Blogeintrag zu schreiben und dann beschließt ihn später fertigzuschreiben. Bin also mit Karo hoch zum Pizza essen und Film schauen und auf der Couch eingeschlafen. Bin jetzt also so müde, dass ich nicht imstande bin, die Eindrücke von heute in gute Worte zu fassen. Kommt dann morgen, versprochen😀. Sorry, gute Nacht!

HIER GEHT’S WEITER: ( kleine Vorwarnung: etwas längerer Text😀. Ihr müsst nicht alles lesen, dient hauptsächlich für mich um diese Eindrücke dauerhaft festzuhalten).

(…) Wir sind ca. zweidreiviertel Stunden gefahren, bzw. Karo ist gefahren, aber was sind schon zweidreiviertel Stunden mit Karo und Finn. Richtig- nichts. Geht vorbei wie im Flug ( auch wenn wir in der Vergangenheit bereits gelernt haben, dass Flüge nicht unbedingt immer schnell vorbeigehen). Pennsylvania ist übrigens – verglichen zu Virginia und der Gegend in der ich hier wohne- eher ländlich und wirkt etwas ärmlicher. Die Häuser sind eher klein und sehen fast schon ein bisschen chaotisch aus, aber hey: Chaos ist nicht immer negativ. Kann von großer Begabung, Dinge im größten Saustall zu finden, zeugen😀. Okay, das hat nichts mit meinem Beitrag hier zu tun und ärmlich ist wahrscheinlich sowieso das falsche Wort, aber ich wollte euch ein einigermaßen gutes Bild vermitteln. Jedenfalls haben wir dann Lancaster County erreicht und wir alle haben ständig aus dem Fenster geschaut um nach Amish aussehenden Häusern, Menschen oder sonstigen Anzeichen der „Amish People“, wie sie hier genannt werden, Ausschau zu halten. Bei der ersten Kutsche, die aus einer Hofeinfahrt herausfuhr, haben wir alle erstmal einen Schrei ausgestoßen. DA! Eine KUTSCHE! Und das im 21. Jahrhundert. Bei näherem Hinblick konnte man in der Ferne kleine bis mittelgroße Farmhäuser erkennen, auf deren Höfen riesige Wäscheleinen vollbehängt mit einfacher Wäsche in der Luft hingen, daneben Kühe auf der Weide ( und ich schwöre euch, ich hab bis dato seit ich hier bin keine einzige Kuh mehr gesehen, außer gekocht auf dem Teller beim Abendessen) und kleine Felder, auf denen vor ein paar Monaten noch Mais gewachsen ist. Es war überwältigend, wirklich. Ihr denkt euch jetzt sicher, dass Wäsche draußen aufzuhängen statt in den Trockner zu werfen oder Kühe auf einer Weide zu sehen nichts Neues ist, zumindest wenn ihr wie ich aus Deutschland kommt und sowas gewohnt seid. Aber wenn man einige Zeit in Amerika verbracht hat, sind solche Anblicke wirklich befremdlich. Es ist nicht „nichts Neues“, sondern etwas sehr zurückgebliebenes hier. Diese Menschen leben wie im 19. Jahrhundert und es gibt mehr als 30.000 von ihnen. Und die Vorstellung, dass diese Wäsche, die da hängt, nicht in einer Waschmaschine sondern von Hand, und die Kühe nicht von Maschinen und in möglichst schneller Abfertigung gemolken werden sondern individuell und von Hand, das ist selbst für mich als Deutsche verblüffend.
Wir sind dann zu „The Amish Village“ gefahren, einer Art „Museum“ mit nachgestellten Häusern zum Anschauen. Dort haben wir eine Bustour gebucht, die uns durch das echte Dorf der Amish People führen sollte. Der Busfahrer war wirklich nett, eigentlich hätte die nächste Fahrt erst eineinhalb Stunden später stattgefunden, aber er hat für uns spontan eine Extra- Tour gemacht ( nach späterem Geständnis seinerseits, weil er lieber Bus fährt als sich in dem Giftshop zu langweilen😀 ). Wir sind also zu dritt in den Bus gestiegen und losgefahren, nur eine Straße von der Hauptstraße abgebogen und einen kleinen, steileren Berg nach oben gefahren. Und direkt als wir oben ankamen, sahen wir nur noch Amish Homes, die Häuser dieser Leute. An jedem Haus hingen diese riesigen Wäscheleinen- im Durchschnitt hat jede Familie acht oder mehr Kinder. Immer öfter kamen uns Kutschen entgegen, in denen Männer mit langen Bärten saßen, und der Anblick war so komisch, vor allem wenn direkt dahinter Autos von Menschen aus unserer Zeit fuhren. Wir sahen Schulen, die nur aus einem Raum bestehen, auf dem Schulhof einfache, selbstgebaute Wippen und Schaukeln. Amishe Kinder gehen nur bis zur achten Klasse in die Schule, danach arbeiten oder heiraten sie. Übrigens erkennt man verheiratete Männer daran, dass sie einen Bart tragen. Unverheiratete, ledige Männer tragen keinen. Wenn ein Mann hier eine Frau kennenlernt und sich in sie verliebt, läuft wohl alles erst ziemlich geheim ab. Wenn sie zusammen in der Kutsche fahren, dürfen sie allerdings nur eine offene Kutsche ohne Verdeck benutzen- könnt ja was passieren in so ner Kutsche😀. Nein, es ist wirklich interessant. Die Kutschen haben übrigens keine Gummireifen, weil sie damit länger und weiter fahren könnten. Die Bischöfe haben sich vor langer Zeit nämlich gedacht, dass Kutschen dieser Art junge Leute vor dem Davonfahren und Verlorengehen oder Ärgerbekommen bewahren würden. Bei Scootern, also diesen Rollern, haben sie sich wegen der Gummireifen keine Sorgen gemacht, weil es ja ziemlicher Kraft in den Beinen benötigt um sich fortzubewegen und kein Kind so weit mit einem Roller fahren könnte.

Apropos Kind: als wir tiefer in das Dorf reingefahren sind, haben wir einige Kinder gesehen. Man fühlt sich, als wäre man in einem Film. Die Kinder sind traditionell gekleidet mit Hosenträgern und einfachen, selbstgemachten Hosen und Tshirts. Einige haben auf den Höfen gespielt, mit sich selbst und einem Ball oder einem Roller. Stellt euch das mal vor- gibt’s in unserer Zeit gar nicht mehr. Da wird spätestens nach einer halben Stunde nach Fernseher, iPad, Wii oder sonstigen technischen Geräten oder Hightech- Spielzeug gefragt. Die Amish People haben auch ihre eigenen Läden, in die man teilweise auch als moderner Mensch gehen darf. Haben wir allerdings nicht gemacht. Wir haben nur bei einem Laden gehalten, dessen Besitzer mit dem Tourismus etwas Geld verdienen. Aber ehrlich, da kommen mir dann immer so Fragen wie: wie können auf der selbstgemachten Marmelade computergeschriebene Etiketten sein, wenn sie keine Computer haben? Kann aber auch sein, dass der Laden ein bisschen „gepimpt“ wurde.

Generell schauen einem die Amish People kaum ins Gesicht, wenn man mal einen sieht. Wir sind nach der Tour dann zum Lunch in ein von Amish People betriebenes Restaurant. Ich konnte meine Augen echt kaum von ihnen lassen, ich hätte die so gerne länger angeschaut oder Sachen gefragt, aber macht man ja nicht, wa. Aber wieder hab ich mich gefragt: wieso tragen manche Amish People NIKE Schuhe? Wieso gibt’s WLAN in dem Restaurant?😀. Fragen über Fragen. Der Großteil dieser Menschen lebt angeblich jedoch wirklich ohne Strom und ohne jeglichen modernen Schnickschnack. Und 85% der Kinder dort bleiben auch bei ihren Familien und leben dieses Leben, obwohl sie in einem Land wohnen, dass in Sachen Technik und Modernheit ganz weit vorne ist. Mein Gastvater hat erzählt es gäbe wohl Fernsehshows, in denen man solche Amish People nach New York bringt und sie dem modernen Leben vorstellt.. Muss mich mal schlau machen.

Der Eintrag war lang, puh😀.

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Ein Gedanke zu “Tag 223: Welcome to the 19th Century

  1. Hey ich liebe deinen Blog😀 ich war auch schon bei den Amish People und die Show heißt (bzw. hieß, vor ein paar Wochen war Finale) breaking amish, vielleicht findest dus im Internet, war echt lustig😀 vor allem die erste Folge wenn sie in Manhatten in ihrem Hotel ankommen und erstmal richtig Party machen weil da warmes Wasser aus dem Wasserhahn kommt.

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