Ab in die Wüste 

Mit Zug und Bus ging es heute von Haifa nach Mitzpe Ramon, die isolierteste Stadt Israels inmitten der Wüste. Hier gibt es nichtmal Ampeln (Menschen können hier dennoch ihren kompletten Führerschein machen – da wundert es auch nicht mehr, warum hier so viele so gestört fahren), und Krankenhäuser haben nur bis 19 Uhr geöffnet. Gut zu wissen 😀 . Dafür gibt es hier den dritthöchsten Berg Israels und den für diese Gegend so bekannten Ramon Krater (der eigentlich kein Krater ist), der immer wieder Touristen wie uns anlockt. Die meisten kommen zum Wandern hierher, Karos und mein Motiv ist irgendwie noch unklar. Wir dachten halt, es wäre mal cool, die Wüste zu sehen. Als wir in unserem neuen Hostel (Green Backpackers Hostel – sehr cooler Ort) angekommen sind, wurden wir auch gefragt, wie viele Stunden wir am Tag wandern wollen, und Karo und ich beide so: ääääääh, eigentlich haben wir uns darüber noch keine Gedanken gemacht, wir kamen nicht wirklich zum Wandern hierher?! 😀 Wir werden übermorgen trotzdem mal einen 5-Kilometer-Hike durch den Krater (der kein Krater ist) machen. Dafür muss man spätestens um 5 Uhr morgens aufstehen, weil man etwa 3-4 Stunden braucht, es sonst unerträglich heiß wird und man vielleicht stirbt – wie ein Mann erst letzte Woche (wurde uns heute erzählt, aber Karo und ich werden bestens gewappnet sein). Nach dem Masada-Aufstieg schockt mich eh nichts mehr. Davon abgesehen möchte ich ein Kamel reiten (ich wurde dafür vorhin schon von zwei Israelis ausgelacht) und Karo wird sich morgen wahrscheinlich von einem Berg hier abseilen, das wird von dem Hostel aus ab und zu angeboten. Wir kamen übrigens genau zur richtigen Zeit: Mitzpe Ramon leidet dieser Tage unter einer Hitzewelle. Wuhu 😀 . 

Kameeeeele


Hier passiert jeden Tag so viel, dass ich immer gar nicht weiß, wo ich anfangen soll zu erzählen, und so viel lasse ich schon weg, damit es die Einträge hier nicht sprengt. Vielleicht noch ein paar allgemeine Erlebnisse der letzten Tage. Was ich in Israel richtig cool finde, ist, dass es fast überall Bücher gibt. Egal ob in Form von Buchhandlungen oder Bücherregalen, die an Bahnhöfen oder in Hostels stehen (hier kann sich jeder Bücher mitnehmen und welche dort lassen, es ist ein Traum für jeden Buchliebhaber: 


Auch an vielen Bahnhöfen zu finden sind Klaviere, auf denen jeder spielen darf. Es ist so schön, wenn man während der Wartezeit teils richtig virtuosen Klavierstücken lauschen kann, genauso wie den talentierten Straßenmusikern oder Leuten, die man im Hostel trifft (heute Abend haben eben die Israelis, die mich für meinen Kamel-Reit-Wunsch ausgelacht haben, einen improvisierten Entschuldigungssong auf der Gitarre gespielt 😀 ). Israel ist einfach voller Leben und die Menschen sind so herzlich und hilfsbereit. Allein heute wurden wir von einer jungen Frau angesprochen, ob wir Hilfe bräuchten, nur, weil wir vor dem Info-Center standen, und am Ende hat sie uns bis zur richtigen Busstation gebracht (na gut, sie musste selber da hin, aber unterwegs hat sie uns noch die leckersten Imbisse gezeigt – keine Ahnung wie es hieß, aber das Essen war sooo gut!).  

Öffentliche Verkehrsmittel sind hier super – für die Fahrt von Haifa nach Mitzpe Ramon haben wir beispielsweise rund 70ILS gezahlt, das sind umgerechnet 17,50€. Für eine stundenlange Fahrt! Für unser Abenteuer mit dem Bus gestern haben wir 5,90ILS gezahlt, also 1,50€. Damit komme ich in Deutschland nichtmal von der Stadt nach Hause 😀 . Aber in irgendeinem Bereich muss uns Israel finanztechnisch ja entgegenkommen, wenn schon alles andere so teuer ist.

Bei der kleinen Tour heute gab es anfangs eine kurze Vorstellungsrunde, und jeder von uns kam einfach aus einem anderen Land. Es waren China, Deutschland, Holland und Finnland vertreten. Den Chinesen haben wir später zufällig beim Abendessen in einem Restaurant wiedergetroffen – da saß er allein an einem Tisch und wir haben ihn gefragt, ob er sich zu uns setzen möchte. Der restliche Abend war dann SO lustig. Erstmal hatten Karo und ich es noch mittags davon, wie schlecht die Manieren von Chinesen (und mit Sicherheit auch von einigen Deutschen) sein können, und ich sage noch zu Karo „das kann ich mir gar nicht vorstellen“, bis wir heute dann mit ihm beim Essen saßen und er so laut geschmatzt hat, dass ich eine Entschuldigung erfinden musste, warum ich lache. Wir haben ihn dann nach seinem Lieblingsgericht gefragt und ihn wirklich oft mit gekochte Hunde- und Katzen-Witzen aufgezogen, aber er musste selber darüber lachen und überhaupt lachen Karo und ich auch oft genug über uns 😀 (wenn man es aufschreibt, klingt es einfach nie so witzig, wie es tatsächlich war). 

Während wir so beim Essen saßen und gelacht haben, stand ein paar Meter weiter von uns eine ganze Gruppe von jungen Leuten, die Gewehre umhängen hatten. Das ist in Israel kein ungewöhnliches Bild, man sieht fast überall Soldaten mit ihren Waffen, egal ob in der Bahn oder im Bus, in den Städten oder wie vorgestern in unserem Zimmer (brauchen halt ab und zu auch einen Platz zum Schlafen). Heute dachte ich dann aber schon, dass es wirklich krass aussieht. Die stehen da und lachen miteinander, essen und trinken, aber eben mit den Waffen um die Schultern hängend. Ein groteskes Bild und hier doch so normal – keiner der anderen Gäste hat sich darüber gewundert, geschweigedenn Blicke darauf geworfen. Es ist hier schlichtweg normal. 

So, jetzt aber genug geplaudert, ich versuche zu schlafen. Over and out. 

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